Umgang mit Schaden an Motorrad durch guten Freund

9 Antworten

Ein "paar sehr tiefe" Kratzer entstehen nicht so mal eben während der Fahrt. Entweder hat dein Freund einem Lumpensammler zu sehr auf die Ladefläche geschaut, wobei dann mehr defekt wäre, oder das Motorrad ist umgekippt. Dann wären Kratzer seitlich wahrscheinlich. Ob das Motorrad ihm selbst oder jemand anderem umgekippt ist, bleibt ebenso offen wie die Frage ob die Kratzer vorher auch schon vorhanden waren.

Wo sind die Kratzer, wie tief sind diese?

Und wenn du diesem Kumpel schon viel zu verdanken hast, dann lass ihn in Ruhe.

Ich werde Dir mal zum Nachdenken die Geschichte mit meinem Sohn erzählen: War vor ca. fünf Jahren: Mein Sohn hat seit seiner Kindheit einen Freund mit türkischer Abstammung. Dieser kaufte sich einen Motorroller (125 ccm). Den hatte er nur ca. eine Woche genutzt, dann ist er mit seinen Eltern in die Türkei in den Urlaub gefahren. In dieser Zeit durfte mein Sohn den neuen Roller nutzen (Führerschein hatte er). Wie es so kommt, legte mein „Junior“ sich bei nasser Fahrbahn auf die Seite. Ihm ist zum Glück außer ein paar Schrammen nichts passiert. Am Roller waren etliche tiefe Schrammen und so einige Kunststoffteile sind zerbrochen.

Es stand natürlich völlig außer Frage, dass ich als Vater dafür aufkomme. Es war ja weder böswillig noch „grob fahrlässig“. Einfach nur bei Regen weggerutscht. Sein Lohn war zu der Zeit auch nicht so, dass er das aus der „Westentasche“ bezahlen könnte (würde ich auch nicht übers Herz bringen).  

Als sein Freund aus dem Urlaub kam, hatte er ihn sofort angerufen und das mit seinem Roller erklärt. Ihm war es mehr als unangenehm, besonders weil sein Freund darauf gespart hatte. Er war sich aber sicher, dass seinem Freund die Freundschaft wichtiger als der Roller ist. ---- Bei dem Anruf stand ich daneben und hörte mit. Die einzige Frage des Freundes war ob mein Sohn verletzt wurde. Als  er das verneinte, kam die Antwort, dass der Rest völlig egal ist. Irgendwie bekommen wir den Roller schon wieder hin. --- Ich habe „Dario“ mitgeteilt, dass für ihn unsere Tür immer offen steht. ---- Die beiden sind noch immer die allerbesten Freunde, was ich sehr gut finde. Solche Freundschaft ist unbezahlbar. „Dario“ ist Taufpate meiner Enkelin und mich hat er auch zum Freund gewonnen. Darauf bin ich auch stolz. Gruß Bonny    

Ich als Fragensteller will hier nochmal Stellung nehmen zu einigen Aussagen... 
Der Schaden
Es sind 5-6 langgezogene Kratzer ziemlich weit unten am Bug. Das kommt von keinem Umfaller oder Unfall. Da würden andere Stellen vorher aufsetzen und der Schaden wäre weitaus größer. Für mich sieht es aus, dass da was unten rein gekommen ist - auch wenn ich mich frage was es sein könnte, dass solche tiefe multiple Kratzer verursacht. Dass man das nicht mitbekommt halte ich zwar für unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Wenn man gerade abgelenkt ist, laute Windgeräusche hat etc. kann man das schon an jemandem vorbei gehen. Hier hat es ja keine komplette Seitenverkleidung weg gerissen sondern es sind Kratzer drin.

Bevor ich das Motorrad meinem Freund übergeben habe, habe ich sie gründlich geputzt. Da wäre mir der Kratzer definitiv aufgefallen. Und er streitet auch nicht ab, dass es ihm passiert sein könnte.

Eine "Guter Freund"
Es ist nicht so, dass er abblockt. Als er mir die Maschine zurück gegeben hat, waren wir gerade auf dem Sprung zu nem Geburtstag. Da kann sowas schonmal untergehen und als ichs dann bemerkt hab, hat er auch nicht abgeblockt, sondern gesagt er klärt das erstmal mit seiner Versicherung.
Meine Frage ist weniger hinsichtlich: Mein Freund stellt sich quer, wie bringe ich ihn dazu Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist eher: Was habt ihr für Erfahrungen gemacht und gibt es eine Art "Knigge", wie man sich in so einer Situation verhält. Ich habe einfach Sorge, dass er mich fragt, was ich als Lösung vorschlage. Weil ich nicht weiß was angemessen ist. Daher meine Frage.
Du hast erst kürzlich reichlich Geld bekommen
Ja, das ist richtig. Erst vor kurzem durfte mein Motorrad in Lack baden :-( Dass jetzt innerhalb von wenigen Wochen ein zweiter Schaden hinzu gekommen ist, ist ziemlich scheiße, ärgert mich, aber kann man nichts machen. Und ja, ich habe Geld bekommen, aber das wurde genutzt um den Schaden zu beheben; nicht um mich zu bereichern. Insofern sind das für mich zwei komplett getrennte Dinge.
Das sollte seine Haftpflicht zahlen
Leider nicht. Es gibt eine sogenannte "Benzinklausel". Da wird bei fast allen Haftpflichtversicherungen ausgeschlossen, dass Schäden mit einem motorisierten Fahrzeug gezahlt werden. Solche Schäden wären eher was für eine Vollkasko-Versicherung.

Junger Mann, pinkel mir bitte nicht ans Bein. Ich bin Versicherungsmakler und weiß, wovon ich schreibe. Die "Benzinklausel" besagt, dass Schäden über die private Haftpflicht nicht versichert sind, wenn durch ein Fahrzeug Schäden entstehen (wenn durch den Gebrauch ein Dritter geschädigt wurde). Hier ist aber ein Schaden am (geliehenen) Fahrzeug entstanden. Somit greift die Klausel nicht.

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@deralte

Hey deralte. Tut mir Leid, wenn du dich angepinkelt fühlst. Das war nicht meine Intention. 
Deine Aussage ist sehr viel Wert. Ich bin gespannt, ob das die Versicherung von besagtem Freund auch so sieht. Das wäre für alle Beteiligten die unkomplizierteste Lösung.
Danke für deine Aufklärung!

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@M3ph1st0

Bitte, gerne geschehen. Aber bitte bedenke: Ich schrieb von einer "guten modernen" Haftpflichtversicherung. Diese findet man nicht im Internetz. (Gute) Makler greifen auf eigene (!) Bedingungen zurück. Diese Bedingungen werden auch nicht von Versicherungs-Vertetern verkauft.  

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Ich verstehe nach wie vor nicht, warum du das hier klären musst.

Ich leihe mein Motorrad nicht her. Eine Runde (also bis zu 30 Minuten) dürfen nur sehr sehr wenige Menschen damit fahren, genau genommen nur 3 (mein Mann, mein Sohn und ein Kumpel).

Warum? Ich würde mein Motorrad niemals jemandem geben, von dem ich weiß, dass er/sie im Fall der Fälle ein Problem hätte den Schaden zu bezahlen. Nicht alle Menschen sind finanziell so gut situiert. Ein Freund, der keine Kohle hat, würde mich aber auch nie nach meinem Motorrad fragen, es sich niemals leihen.

Ich würde mein Motorrad niemals jemandem geben, bei dem mein Bauchgefühl mir sagt, dass es bei Beschädigungen Ungereimtheiten geben könnte.

5-6 langgezogene Kratzer ziemlich weit unten am Bug. Das kommt von keinem Umfaller oder Unfall. Da würden andere Stellen vorher aufsetzen und der Schaden wäre weitaus größer. Für mich sieht es aus, dass da was unten rein gekommen ist

Du fährst aber schon auch selbst Motorrad und hast deine Maschine nicht nur zum Anschauen? Du willst mir nicht allen erstes erzählen, dass es passieren kann, dass es etwas unter's Motorrad zieht (oder man über etwas fährt, was 5-6 langezogene tiefe Kratzer verursacht und man das nicht spürt?

Selbst wenn man nur mit dem Kunststoffschleifer eines Stiefels auf dem Asphalt schleift, spürt man das!

Als nächstes:

Als er mir die Maschine zurück gegeben hat, waren wir gerade auf dem Sprung zu nem Geburtstag. Da kann sowas schonmal untergehen und als ichs dann bemerkt hab

Menschen die ich als "Freund" bezeichne, würden sich niemals versuchen um die Begleichung eines Schadens zu drücken. Auch, dass man auf dem Sprung auf eine B-Day-Party ist, ist für das "nicht bescheid sagen" kein Grund, denn sowas "geht nicht unter". Anscheinend hielt er es aber auch nach der B-Day-Party nicht für angebracht dir von dem entstandenen Schaden zu berichten, denn du schreibst selbst, dass du selbst bemerkt hast.
Beschädige ich das Motorrad (m)eines Freundes, wäre mir das mehr als unangenehm, denn jeder weiß, wie wichtig einem Motorradfahrer sein Motorrad ist und ich würde sofort kleinlaut beichten.

Im Rahmen einer Freundschaft, sollte sowas alles kein Problem und damit das ganze geschreibe hier unnötig sein. Im Rahmen einer Freundschaft geht der, der den Mist verbockt hat, ehrlich hin und sagt was wie "Du, ist schei§e glaufen, mir ist dies oder jenes passiert. Ich schau ob ich's über die Versicherung begleichen lassen kann und wenn nicht bekommst die Kohle." SO und nicht anders reagieren Freunde!

Der einzigste Kumpel, von dem ich oben schrieb, der mein Motorrad in die Finger bekommt, ist nicht mal ein Freund. Aber er hat den Ar§ch in der Hose zu dem was er gemacht hat zu stehen und auch die finanziellen Mittel dazu.

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Auf die noch hypothetische Frage (von deinem Freund an dich): "was schlägst du als Lösung vor" würde ich antworten: "bring das bitte wieder in Ordnung, mit oder ohne Versicherung.".

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Du hast einen seltsamen "guten Freund", sehr tiefe Kratzer passieren nicht ohne dass man das mitbekommt, für mehrere (du schreibst ja "ein paar") reicht auch ein unglücklich durch den Vorderansicht aufgewirbelt Stein nicht.

Also gibt es nur zwei Möglichkeiten:

a) er hat den Schaden verursacht und will nicht dafür einstehen, macht einen auf unschuldig und dumm.... oder

b) der Schaden war schon und du versuchst es ihm in die Schuhe zu schieben.

In beiden Fällen ist jeweils einer dem anderen mehr Feind als Freund.

Wir können nicht hellsehen und wissen nicht wer von euch versucht den anderen über den Tisch zu ziehen. Klärt das wie erwachsene indem ihr euch an einen Tisch setzt und miteinander sprecht und sucht nicht eine Lösung im www.

Sorry, soll nicht "den Vorderansicht" heißen sondern "den Vordermann", das hat mein Handy "verbockt".....

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Danke für deine Antwort Mankalita2.
Um hier nicht jedem redundant zu Antworten habe ich EINEN Beitrag verfasst indem ich auf deine Punkte eingehe.

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Wenn du deinem Freund vermitteln konntest, dass die Kratzer definitiv vorher nicht da waren und er ein korrekter Typ ist, wird er den Schaden bezahlen wollen auch wenn keine Versicherung das übernimmt.

Die Frage ist aber: was hast du ihm zu verdanken und wie tief steckst du in seiner Schuld? Dann würde ich an deiner Stelle abwinken und sagen: macht nix Kumpel, ich übernehme das für dich, denn du hast für mich genug getan.

Musst du selbst wissen.

Sorry Gerhard, aber da bin ich mal anderer Meinung: In einer„echten“ Freundschaft gibt es kein Gegenüberstellen dessen was man für den Anderen gemacht hat. Das gibt es bei „Kumpels“, auch eingeschränkt, bei „guten Kumpels“. Selbst wenn ich tausendmal mehr für einen Freund mache, ist es egal. Nur wenn ich ihn auch mal brauche, muss ich mich darauf verlassen können dass er da ist. Ist er es nicht, ist die „Freundschaft“ beendet. Die wird auch nie mehr werden. Vertrauen und gegenseitige Achtung sind die wichtigsten Voraussetzungen bei einer Freundschaft. Jedenfalls bei mir. Eine „echte“ Freundschaft bedeutet mir sehr viel.  Gruß Bonny

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@Bonny2

Du hast recht Detlev. Es ist eben eine verzwickte Situation. Ich habe nur beschrieben wie ich das machen würde. Ich meine: kleinlich den Schaden ersetzt haben wollen ist belastend für jede Art von Freundschaft, deswegen muss man abwägen. Aber ein "echter" Freund würde sowieso für den selbst verursachten Schaden aufkommen. Und wenn nicht, war es dann eben kein wirklicher Freund - das stimmt.

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