Wie viel Schräglage ist in etwa möglich?

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4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn du sie leicht am Gas hälst (also etwas beschleunigst) kannst du mit warmen Reifen soweit runter, bis der Arzt kommt, fahre so mit der SC59 immer neue Reifen an (am liebsten auf Autobahnauffahrten mit mehreren langestreckten Kurven), wenn sie rutscht, rutscht sich über beide Räder nach aussen, was gut händelbar ist. Und wenn es auf einer Seite kratzt, nimmst du halt den Fuss hoch, die Raste klappt ja nach hinten weg.... wenn du nicht auf die Idee kommst, das Gas plötzlich abrupt wegzunehmen, geht das eigentlich immer gut.

Tja, und die Fragen aller Fragen... wann schert sie aus? Kommt auf die Reifen an, es gibt gutmütige Reifen, da kündigt sich das (hinten) durch eine leichte Instabilität an (sie fängt dann an wie zu tänzeln), dann nimmt man halt das Gas eine Idee zurück, wenn sie vorne anfängt "auszuwandern" gibt man weich leicht Gas, ohne weitere negative Lenkimpulse zu geben, immer schön locker bleiben, besonders am Lenker.  

Prinzipiell braucht man bei einem breiteren Reifen für die gleiche Kurvengeschwindigkeit mehr Schräglage. Wird der Hinterreifen breiter, wird allerdings auch die Reifenaufstandsfläche größer und somit steigt der Grip. Auch darf man nicht vergessen, dass auch der Vorderreifen mit einfließt. In Schräglage ist das Vorderrad ca. 0,5-3° gegen die Kurvenrichtung eingeschlagen, um das Fahrzeug stabil zu halten (Kann man mal ausprobieren, wenn man bei Geradeausfahrt mal gegen ein Lenkerende drückt. Das Motorrad wird in die Gegenrichtung lenken).

Durch die Originale Fußrastenanlage wird die Schräglagenfreiheit ebenfalls beschränkt. Bei der Fireblade sind die Angstnippel recht lang. Bei zurückversetzter Fußrastenanlage steigt wieder die Schräglagenfreiheit.

Auch kommt es auf den Fahrstil an. Wird das Motorrad mehr gedrückt, ist die volle Schräglage der Kombination Fahrer/Motorrad früher erreicht als bei extremen Hangoff a la Marquez.

Um die Kurvengeschwindigkeit weiter zu erhöhen, muss das Motorrad über leichten Schlupf am Hinterrad in einen Drift versetzt werden. Dadurch steigt wiederum die Auflagefläche am Vorderrad, was die Gefahr des Wegrutschen verringert.

Im der Summe fließen auch noch andere Faktoren in die maximal erreichbare Schräglage mit ein. Zum einen eben die baulichen Gegebenheiten. Zum anderen der tatsächliche Grip der Reifen. Dazu kommen Asphaltbeschaffenheit und -temperatur, Fahrwerksabstimmung, Reifentemperatur, Reifenluftdruck und Profil, Gewicht und Schwerpunkt des Fahrers und der Maschine und und und.

Zu guter Letzt ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor die Eier des Fahrers. ;-)

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort. Stimmt, habe bereits auch einen deutlichen unterschied gemerkt als ich mit unterschiedlicher Kurvengeschwindigkeit die jeweiligen unterschiedlichen Kurven gefahren bin. Dabei handelte es sich um unterschiedliche Kurven wobei ich eine mit etwas über 100 KMH und eine andere mit etwa 70 KMH durchfahren bin. Es mir in besonderem Maße aufgefallen dass in der Kurve mit 70 KMH, da das Motorrad natürlich weniger einfedert auf eine Schräglage von etwa 49° kam bis die Raste schleifte kam, im Gegensatz dazu waren es bei der Kurve mit etwas über 100 KMH etwa 45° beim Aufsätzen (ist ja auch logisch wegen der größerer Einfederung). Ich bin letztendlich nur ein wenig verwundert, da man ja häufig hört, das Straßen Motorräder mit normalen Straßenreifen etwa 55° Schräglage schaffen sollen. Nun kann es natürlich daran liegen dass die 2004er Fireblade schon ein etwas älteres Baujahr ist und die Geometrie sowie die Reifendimension (50er) bereits veraltet sind, so dass nur noch schräglagen von etwa an die 50° möglich sind. Aufgrund der Tatsache, dass du angegeben hast die Frage mit Erfahrung zu beantworten, würde es mich einmal interessieren, was du davon hältst die Angstnippel zu kürzen, da ich bereits gehört habe, wenn man diese komplett demontiert es schnell dazu kommen kann, dass die Verkleidung schleift oder man übers Vorderrad absteigt, was ich natürlich ungern möchte. Kurz: Sinnvoll diese als günstige Alternative von ~5cm auf 3 zu kürzen? Dann sollten ja bestimmt ein paar Grad mehr drinne sein. Und wie schaut es aus kann man sich vielleicht am Angststreifen des Vorderrades orientieren und daher auf die Reserven des Hinterrades schließen? Dort habe ich nämlich noch etwa 5 mm übrig (habe versucht davon ein bild hier hochzuladen).Oder kann man diesen nur weiter durch den von dir beschriebenen Schlupf am Hinterrad minimieren?

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@spiderspidy

Nur weil die Reifen 55° hergeben, heißt das nicht, dass die Serienmaschine das auch hergibt. Man kann die Angstnippel mal rausschrauben und zu zweit die Maschine kippen, um zu schauen, wann was aufsetzt und ob der Reifen das noch hergibt.

Der Angststreifen am Vorderrad ist immer größer, da der Hinterreifen bei "normaler" Fahrweise schneller am Limit ist. Der Vorderreifen geht erst ans Limit, wenn im Slide weiter gegen die Kurvenrichtung eingeschlagen wird.

Hang-Off verfolgt ja entgegen der landläufigen Meinung nicht den Zeck, cool auszusehen, sondern den Schwerpunkt des Fahrers möglichst tief zu legen, um wiederum weniger Schräglage des Motorrads (nicht des Fahrers) zu brauchen, um eine hohe Kurvengeschwindigkeit zu erzielen.

Es ist aber auch nicht wichtig, den Angststreifen abzufahren. Der sagt nichts über fahrerisches Können aus. Lass dein Motorrad am besten so wie es ist, oder mach mal ein Schräglagentraining. Auch auf der Rennstrecke kann man mal das Limit von sich und dem Motorrad ausreizen.

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Ansonsten sollte ich wohl wirklich mal das Hanging-off ausprobieren, allerdings weiß ich nicht, ob ich dadurch die Schräglage mehr wahrnehmen werde (Worum es mir eigentlich geht) und man dann natürlich im Gegensatz zum Drücken mehr Platz benötigt. Habe daher Angst schneller im Gegenverkehr landen zu können.

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Habe daher Angst schneller im Gegenverkehr landen zu können.

Wenn du deine Schräglagenexperimente im öffentlichen Straßenverkehr veranstaltest, solltest du dir schon jetzt ein Bett auf einer intensivstation reservieren!

Woher ich das weiß:Hobby

Ich verstehe deinen Punkt sehr gut und würde mich es auch gerne auf der Rennstrecke testen. Das Problem an der Sache sind nunmal die aus meiner Sicht die utopischen Kosten, dass ein Wochenende auf der Rennstrecke so teuer ist wie eine ganze Saison auf der Straße, was mich ein wenig zu obigem verleitet. Letztendlich gebe ich dir aber vollkommen Recht, dass man solche Experimente nicht auf der Straße machen sollte, da man Leben nicht mit Geld aufwiegen kann.

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@spiderspidy
Letztendlich gebe ich dir aber vollkommen Recht, dass man solche Experimente nicht auf der Straße machen sollte, da man Leben nicht mit Geld aufwiegen kann.

Das ist schön. Dann hat sich deine Frage ja in Schall und Rauch aufgelöst.

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Die maximal mögliche Schräglage ist nicht nur von den konstruktiven Gegebenheiten deines Motorrades abhängig, sondern auch zu einem sehr großen Teil von der Beschaffenheit des Straßenbelages sowie der Temperatur von Asphalt und Reifen. Und das sind Dinge, die man niemals hundertprozentig sicher einschätzen kann. Als Ganzjahresfahrer kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen, dass die Reifen bei niedrigen Temperaturen schon wegdriften lange bevor die Angstnippel die Straße berühren. Das Aufsetzen der Fußrasten solltest du also - selbst unter günstigen Voraussetzung - als letzte Warnung vor dem Abgang in Botanik oder in den Gegenverkehr betrachten. Alles andere könnte dein Leben enorm verkürzen.

Zum Thema Hang-off: das ist was für Poser und andere komplett Lebensmüde. Und es ist vor allem keine Demonstration von fahrerischem Können oder Männlichkeit, sondern eine von ausgesprochener Dummheit. Wenn dir ein Kurvenschneider entgegenkommt und du blitzschnell ausweichen musst, dann wirst du das nicht rechtzeitig schaffen, wenn du dich wie ein Affe seitlich an dein Motorrad klammerst.

Aber wenn du dich umbringen willst, dann mach einfach weiter so.

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