Sind Hydrostößel nur eine Abart von Tassenstößel und wie unterscheidend die sich?

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Ein Tassenstößel ist einen grundlegende Bauform, wie sie bei obenliegenden Nockenwellen verwendet wird. Das Gegenstück dazu sind Kipp - oder Schlepphebel. Beim Tassenstößel ist die Nockenwelle direkt senkrecht über dem Ventil platziert. Der Nocken drückt auf den Ventilschaft. Damit dieser keinen seitlichen Druck bekommt, was den Ventilschaft und die Ventilführung zerstören würde, stülpt man über das Ventil bzw über die Ventilfedern eine Hülse, diei in einer engen Führung im Zylinderkopf läuft. Der Nocken läuft auf dem Boden dieser Hülse, die gehärtet ist. Durch diese Hülse (Tasse) werden die seitlichen Kräfte aufgenommen und in die Führung im Zylinderkopf geleitet. Ventilschaft und Ventilführung bekommen keinen seitlichen Druck und werden daher nicht beschädigt.

Der hydraulische Ventilspielausgleich ist eine Sonderform der Ventilspieleinstellung. Hydraulischer Ventilspielausgleich ist sowohl bei Kipp - und Schlepphebeln, als auch bei Tassenstößeln möglich. Der Ventilspielausgleich erfolgt jeweils durch eine Art kleine Pumpe. Diese pumpt winzige Mengen Motorenöl in einen kleinen Zylinder, der zwischen Nockenwelle und Ventil, oder seitlich auf einem Hebel sitzt. Dieser Zylinder hat einen kleinen, gewollten Totgang. Dh, der Kolben wird nicht bis ganz an die Auflagefläche gedrückt, sondern ein Ventil lässt kurz vorher das Öl abfließen. Dadurch entsteht ein winzig kleines Spiel - das Ventilspiel. Da dieser Kolben bei jedem Ventilhub aufs Neue arbeitet, stellt sich das Ventilspiel automatisch bei jedem Ventilhub neu ein. Eine manuelle Ventileinstellung ist dadurch überflüssig.

Habe mir gestern eine Honda CBX 650, Bj. 83 angesehen, die hatte diese Hydrostößel schon. Warum gibt es das nicht in mehr Motorrädern ?

Gruß Floyd

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@Floyd

Hallo Floyd, der Grund ist recht einfach. Ende der 70er bis tief in die 80er hinein hatten fast alle Marken bei verschiedenen Modellen Tassenstößel. ZB. Hatten die Suzuki Modelle GS400/500/550/750/850/1000 solche, ebenso die KAWA Z900/1000 und noch einige mehr, die Yamaha XS750 und auch einige Hondas . Diese Maschinen hatten alle eines gemeinsam:

Zwei Ventile pro Zylinder.

Als dann die Vierventiler aufkamen, wurde für die aufwendige Konstruktion der Tassenstößel der Platz im Kopf zu eng und sie wurden zu teuer. Man brauchte die doppelte Anzahl von Nocken und die Einstellerei wurde sehr aufwendig. Zusätzlich kompliziert wurde die Angelegenheit durch die immer engeren Ventilwinkel, die ein weiteres Platzproblem schufen. Man hatte erkannt, daß die, vorwiegend in der frühen Nachkriegszeit üblichen halbkugeligen Brennräume mit ihren Dachkolben und dezentralen Zündkerzen nicht günstig waren. Also baute man flache Brennräume mit 4 Ventilen und flache Kolben. Durch die 4 Ventile konnte man die Zündkerzen schön in der mitte platzieren. Eine Konstruktionsweise, die heute noch Stand der Technik ist.

Die Lösung - Schlepphebel. Man verwendet seither sogenannte Gabelschlepphebel. Dh ein Nocken bedient einen gegabelten Schlepphebel, der auf jeweils 2 Ventile drückt. Die Dinger sind leichter, billiger, benötigen weniger Platz

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