Freund vom Motorradfahren abringen, oder reagiere ich über?

10 Antworten

Ich bin die Partnerin eines stark verunglückten Motorradfahrers. Er trug keine Schuld, es war ein Damwild, das in ihn bei 70 km/h vors Motorrad lief. Er kam mit diversen Knochenbrüchen und einer stark verletzten Milz per Hubschrauber in eine Uniklinik. Er hat seit Wochen starke Schmerzen, pumpt sich mit Schmerzmitteln zu und sein Bewegungsapparat streikt. Er wurde operiert und wird es wohl nochmal.

Anstatt eines schönen ersten gemeinsamen Sommers werde ich ihn nun die kommenden Wochen pflegen. Ich mache das gerne, dieses Mal.

Ich weiß aber auch, das ich gehen werde, sollte er weiter Motorrad fahren. Denn ich möchte einen Mann an meiner Seite haben, der mit 50 Jahren Verantwortung übernimmt. Mein Wunsch an mein Leben ist, mit einem Mann planen zu können.

Ich möchte nicht zurückstecken müssen, wenn er querschnittsgelähmt sein wird oder eine erneute lange Heilungsphase haben wird. Oder ihn womöglich ganz zu verlieren - aufgrund eines Hobbys. Die Unfallgefahr ist auf dem Motorrad 16fach erhöht im Vergleich zum Auto.

Dieses Mal stand ich bereits mehrere Tage unter Schock, es hat unglaublich weh getan. So sehr ich tiefe Gefühle für ihn habe, habe ich auch Wünsche an mein Leben. Ich möchte nicht in ein paar Jahren wieder von vorne anfangen müssen. Das habe ich bereits hinter mir. So werde ich gehen, sobald er wieder aufs Motorrad steigt. Er hat alle Rechte dieser Welt, Motorrad zu fahren. So, wie ich alle Rechte dieser Welt habe, glücklich zu sein und im Leben mit einem Mann anzukommen.

Natürlich kann das Leben hart sein und es gibt diverse Möglichkeiten, warum er gehen könnte. Wenn es aber aufgrund eines weiteren Motorradunfalls wäre, könnte ich es mir selbst nicht verzeihen. Weil ich dann bleiben müsste.

Bezüglich des Abbringens vom Motorradfahren, sehe ich es genauso wie viele andere hier. Auf die Dauer würde dies eure Beziehung belasten.

Bei mir ist es meine Mutter, die sich große Sorgen macht, wenn ich mit meinem Motorrad unterwegs bin. Ich musste ihr versprechen, immer mit Schutzkleidung zu fahren, was ich dank gut ausgeprägtem Selbserhaltungstrieb sowieso schon mache ;-)

Sobald sie im Fernsehen oder irgendwo anders etwas über neue Schutzausrüstung für Motorradfahrer hört, gibt sie mir den Auftrag, mich darüber zu informieren und mir das Teil ggf. zuzulegen. Seit letzter Saison fahre ich nun auch mit einer Airbagweste, die zwar nicht sehr kleidsam ist aber dafür gut schützt. 

Fahrsicherheitstrainings sind übrigens auch sehr schöne Geschenke, die dem Fahrer im Straßenverkehr nützen. Jedes Jahr mache ich mindestens ein Training, sei es ein FST, Kurven- oder Rennstreckentraining.

Nach jeder Tour, soll ich mich wieder bei ihr "anmelden", was ich ihr zuliebe auch mache. 

Mit ein paar Kompromissen beiderseits kann man also das Hobby Motorradfahren genießen und besorgte Familienmitglieder teilweise beruhigen.

Btw. mein Vater hat mir, als ich 18 war, verboten, den Schein zu machen. Wie du siehst, hat das ja suuuuper funktioniert ;-)

Ich finde es verdammt schwer, auf diese Sorgen angemessen zu reagieren.

Du hast Sorgen und Du hast ein recht darauf ernst genommen zu werden. Egal, ob diese objektiv gerechtfertigt sind oder nicht.

Gute Schutzkleidung und Fahrsicherheitstrainings sind ein wichtiger Baustein um das hohe Risiko zu reduzieren.

Ach ja. Ich steige nicht mehr ohne Rückenprotektor auf eine Leiter höher 2 Meter. So etwas ist wahrscheinlich objektiv gefährlicher als ein Mopped mit 200 PS.

Weisst du, ganz klar, du kannst es ihm ausreden, aber irgend wann wird ihm das dann stinken und die Beziehung geht früher oder später in die Brüche (BTDT).

Ausserdem muss man bei einem Sturz nicht gleich sterben (tut man meistens auch nicht), man kann das Risiko durch Schutzkleidung mindern, durch die Fahrweise sowieso.

ich schreibe mal wie ich das sehe:

ich werde 28, meine frau ist wie du ebenfalls 26. sie kennt mich seit 9 jahren und motorradfahren tue ich auch seitdem ich 16 bin. Meine Frau hatte bei meiner ersten großen maschine (650er) ebenfalls etwas bammel. ich hab ihr dann den gefallen getan und was gekauft wo sie besser drauf sitzen konnte ( die vorgängermaschine musste eh weg). Von da an war es besser. Sie hat nie angst um mich gehabt, weil sie weiß das ich kein raser bin und ps mir unwichtig sind. Zu meinem glück konnte ich sie auch überreden den motorradschein zu machen, da es was völlig anderes ist selbst zu fahren anstatt nur hinten drauf zu sitzen. Seit sie ihren schein hat, bin ich eher derjenige der angst um sie hat. Sie hatte ein paar kleinere Stürze und letztes jahr einen unfall bei der sie zum glück nur prellungen hatte, ihr motorrad aber ein totalschaden war. Sie hat wieder ein neues motorrad und freut sich auf die kommende saison. Ein unfall heißt nicht zwangsläufig immer das jemand stirbt, dann dürfte weder du noch dein freund auto fahren. davon sind nämlich wesentlich mehr unterwegs.

Was meine Frau und ich für uns entdeckt haben, ist das Gespann fahren. In einem Beiwagen sitzt/fährt es sich komplett anders. Meine Frau hat richtig Spaß dabei und fährt  jederzeit gerne mit. Sie will sogar das ich ihr im sommer zeige worauf es beim fahren damit drauf ankommt. Was ich damit sagen will: versuche einfach das hobby deines freundes zu akzeptieren. Viele die motorrad fahren und vater werden, unterbrechen dieses hobby nur und warten darauf bis sie wieder fahren können. freunde dich so gut wie möglich damit an, und vertraue darauf das nix passieren wird. er fährt ja immerhin ordentlich viel damit und hat dadurch bessere reflexe als einer der nur einen bruchteil davon im jahr fährt.

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