Bremsweg mit und ohne ABS?

Das Ergebnis basiert auf 7 Abstimmungen

Mit Abs kürzeren Bremsweg 71%
Ohne Abs kürzeren Bremsweg 29%

4 Antworten

Mit Abs kürzeren Bremsweg

tl;dr am Ende.

ABS ist von Natur aus ein reaktives System. Darin liegt seine größte Schwäche und seine größte Stärke.

ABS setzt erst ein, wenn das Rad blockiert. Dabei löst es die Bremse, sodass wieder Schlupf erlaubt ist und eine Bremskraftübertragung wieder möglich ist und zieht dann progressiv die Bremskraft wieder an, bis das Rad wieder blockiert.

Das ist ein großer Nachteil, weil hier regelmäßig von 0% Schlupf auf 100% Schlupf und wieder zurück gesprungen wird. Das bedeutet im Endeffekt dass es immer 2 Punkte gibt, an denen Nahezu keine Bremskraft übertragen wird. Kurz gesagt: Der Bremsweg wird länger.

Studien von diversen ABS Herstellern zeigen, dass die höchste Bremswirkung bei einem Schlupf von 8-25% erreicht wird, abhängig von der Fahrbahn.

ABS sind jedoch blind. Sie wissen nicht, dass die Fahrbahn nass oder dreckig ist, deshalb können diese nicht bereits im Vornherein sagen, ob jetzt mehr oder weniger Schlupf angebracht ist. Das ist eben die Natur eines reaktiven Systems.

Moderne ABS Systeme gleichen dies durch Software und Erfahrung etwas aus. Diese merken bereits nach einigen Millisekunden, ob nun mehr oder weniger Schlupf möglich sind und passen es dementsprechend an, um eine bessere Bremswirkung zu erzielen.

Das löst aber nicht das eigentliche Problem mit ABS: Dass es reaktiv ist. Auch gute moderne ABS setzen erst ein, wenn das Rad mal blockiert und wenden Optimierungen erst an, wenn ein paar Zyklen von Auf- und Zumachen der Bremse durch sind. Hierbei handelt es sich allerdings wirklich um wenige Millisekunden, aber in der Zeit fehlt einem halt die Bremswirkung.

Heißt das, dass der Fahrer besser bremsen kann als das ABS?

Ja. Und Nein.

Ja, denn in einer perfekten Welt mit konsistenten Fahrbahneigenschaften kann ein Mensch, der proaktiv bereits feststellen kann, wieviel Schlupf die Fahrbahn zulassen wird, besser Bremsen.

Nein, denn wir leben nicht in einer perfekten Welt. Fahrbahneigenschaften sind nicht konsistent. Fahrbahnbeläge sind nicht konsistent. Fahrerverhalten und dessen Zustand ist nicht konsistent. Da spielen so viele Faktoren rein. Selbst Profis fällt es in Straßensituationen schwer konsistent besser zu bremsen als moderne ABS.

Studien des ADAC, BMW und Bosch zeigen, dass bei Fahrzeugen ohne ABS durchschnittlich zu wenig gebremst wird, aus Angst zu blockieren. Fahrzeuge mit ABS verzögern dadurch deutlich stärker, da viel näher am optimalen Bremsdruck gearbeitet werden kann, ohne versehentlich zu blockieren.

Der Durchschnittsmotorradfahrer wird also mit modernen ABS schneller Verzögern, als ohne.

Warum verwenden Profis kein ABS auf der Rennstrecke?

Die Rennstrecke bietet optimale Bedingungen. Es ist größtenteils sauber und konsistent entweder nass oder trocken. Dazu fahren Profis mit Reifen, die optimale Kraftübertragung bieten und kein Kompromiss aus langer Laufzeit und Grip sind.

Der einzige Dreck, der während eines Rennen auf die Fahrbahn kommt ist durch versehentliche Abstecher abseits der Strecke, die Staub aufwirbeln oder durch Crashes. Bei letzterem wird der größte Dreck aber in der Regel so schnell wie möglich von der Rennstrecke entfernt, sodass es keine Behinderung für die Fahrer gibt.

Rennprofis arbeiten also mit sehr konsistenten Bedingungen, was ihnen ermöglicht ihre Erfahrung komplett auszunutzen und so die optimale Bremsverzögerung zu erreichen und auch moderne ABS konsistent auszubremsen.

tl;dr: Mit konsistenten Bedingungen kann ein Mensch konsistent ABS übertreffen. Sind die Bedingungen nicht konsistent, geht aber auch diese konsistente Leistung flöten. In "Real-World"-Szenarien verzögert man mit ABS konsistent besser als ohne, sei es auch nur durch die Gewissheit, dass im Falle des Falles ABS noch eingreifen kann.

Deshalb habe ich hier mit "ABS verkürzt besser" gestimmt, da der durchschnittliche Motorradfahrer ohne ABS nicht besser bremsen kann als mit ABS.

Danke!! Wirklich sehr sehr hilfreich!

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Auf einem Untergrund mit gleichbleibendem gutem Reibwert, wird ein geübter Fahrer ohne ABS schneller zum stehen kommen. Gleiches Bild auf Schnee, Eis oder Sand. Hier verschenkt ABS wertvolle Meter, bleibt dafür aber in Grenzen nach fahr- und beherrschbar für Ottonormalverbraucher.

Bei Regen kann sich das Bild zugunsten von ABS ändern, da hier kein wesentlicher Wasserkeil entsteht, der das Rad aufschwimmen lässt.

Das gilt aber für gleichbleibende Bedingungen, die im Straßenverkehr so normalerweise nicht einheitlich sind, weil sich die Untergründe permanent ändern.

Bei einer Schreckbremsung brauche ich mir bei ABS keine oder deutlich geringere Gedanken zu machen, ob ich Überbremse, die beiden Bremsen nicht optimal einsetze oder wie weit ich die Bremse zur Vermeidung eines Überschlages lösen muss oder was passiet wenn ich von Asphalt auf Kopfsteinpflaster gerate.

https://www.bast.de/BASt_2017/DE/Publikationen/Archiv/Infos/2005-2004/09-2004.html

Eine pauschale Aussage ist also nicht möglich, zumal es auch verschiedene ABS Auslegungen gibt wie z.B. bei der BMW S1000RR

Hier noch einge Links zu dem Thema:

https://www.motorradonline.de/zubehoer/abs-im-test-motorrad-antiblockiersysteme-im-vergleichstest/

http://www.winni-scheibe.com/ta_praxis/abs.htm

und

https://www.motorradfrage.net/frage/kann-ich-ohne-abs-eigentlich-einen-aehnlichen-bremsweg-wie-ein-motorrad-mit-abs-erreichen

Mit Abs kürzeren Bremsweg

Mit ABS verkürzt sich der Bremsweg. Stichwort Haftreibung und Gleitreibung. Blockieren die Räder, gleiten sie über die Straße und können die Kraft nicht übertragen.
Beim ABS wird das Blockieren verhindert, somit verliert man keine Traktion und das Bremsmoment kann auch auf die Straße übertragen werden. Außerdem bleibt das Fahrzeug manövrierfähig.

Das ganze ist im Endeffekt nichts anderes wie beim Anfahren. Dreht beim Anfahren das Hinterrad durch, kommt man nicht vom Fleck.

Mit Abs kürzeren Bremsweg

Servus

Das Motorrad startete mal einen Aufruf Motorradfahrer zu finden, die gegen das Kurven ABS antreten. Es fand sich Keiner.

Selbst halte ich nur die wenigsten Motorradfahrer für fähig ABS zu schlagen. Auf meine Versuchen aus 180km/h möchte ich hier nicht eingehen, nur so viel, man kann schon gewaltig am Hebel ziehen, der Regelbereich kommt unter Hundert.

 Grüßle

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