35 kw ist Fahren in der Schweiz mit deutschem A2 erlaubt?

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6 Antworten

Eine wirklich hilfreiche Antwort ( im Sinne der Rechtssicherheit) kann ich dir nicht geben, da ich keine entscheidende Information gefunden habe.

Fakt ist, dass es die Klasse A2 nicht gibt, sondern die Klasse, die bis zum 19.01.2013 in Deutschland Gültigkeit hatte ( http://www.strassenverkehrsamt.lu.ch/nav_lnk_strv_fuehrer.htm ). Der Link gehört dem Straßenverkehrsamt Luzern. Deswegen gehe ich davon aus, dass der Inhalt aktuell ist.

Es ist also davon auszugehen, dass du dann auf Schweizer Gebiet belangt werden kannst, weil du keine erforderliche Fahrerlaubnis für das Motorrad besitzt. Nicht alles, was in Deutschland legal ist, muß automatisch im Ausland auch legal sein. Und "Ausland" trifft insbesondere auf die Schweiz zu, da dieses Land nicht Mitglied der EU ist.

An deiner Stelle würde ich jetzt das Straßenverkehrsamt in Luzern anrufen und dort diese Frage stellen. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.

Indes 11.07.2013, 23:12

Danke für Deine Antwort! Zwar denke ich eher, dass ich fahren darf - werde aber in Luzern nachfragen und die Antwort hier posten - kann aber ein paar Tage dauern. Gute Idee das Straßenverkehrsamt zu fragen!

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deralte 12.07.2013, 07:57
@Indes

Ich bin gespannt, was das Straßenverkehrsamt sagt. Und vielen Dank für das Sternchen. :)

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Indes 12.07.2013, 10:09
@Indes

Mein Anruf beim Strassenverkehrsamt ergab folgendes: "Usländer" = Ausländer dürfen, wenn sie im Ausland wohnen und dort den gültigen Führerschein haben in der Schweiz all das fahren, was im Heimatland auch erlaubt sei.

Will heißen ich darf also mit dem deutschen A2 Führerschein meine auf 35kW gedrosselte Honda CBF 600 in der Schweiz fahren!

Danke nochmal für den Tipp Strassenverkehrsamt Luzern!

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Das könnte rechtlich ein Problem werden. Genauso wie die deutsche Regelung auch in anderen EU Ländern Probleme bereiten kann. Ich würde mich mal bei einem Automobilclub erkundigen. Hier noch was zur Info:

Deutscher Sonderweg bei Drosselung von Motorrädern auf A2/35kW (48 PS)

Eine Einschränkung für das zu drosselnde Fahrzeug gibt es - entgegen der Vorschrift der EU - in der Bundesrepublik Deutschland nicht. Die EU schreibt vor, dass ein zu drosselndes Ausgangsfahrzeug nicht um mehr als 50 Prozent gedrosselt werden darf, damit es rechtlich als A2 Fahrzeug gelten kann. D.h., ein zu drosselndes Fahrzeug dürfte max. 70kW Leistung abgeben. Deutschland nimmt durch den Verzicht auf diese Regelung eine Sonderstellung in Europa ein. Bei Fahrten ins Ausland kann eine nach deutschem Recht legal durchgeführte Drosselung möglicherweise ein Problem wegen Fahrens ohne den korrekten Führerschein darstellen.

http://www.ivm-ev.de/Fuehrerschein.html

Indes 11.07.2013, 23:14

Danke für Deine Antwort! Sie trifft aber nicht ganz mein Problem. Ich werde in der Schweiz nachfragen...

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Ja, wenn die Konstellation Führerschein/Fahrzeug in Deutschland legal ist darfst du als Tourist fahren, nationale Führerscheinregeln werden international anerkannt. Du darfst z.B. auch mit einem 180PS-Motorrad als Deutscher nach Frankreich fahren, obwohl dort (noch) eine 100PS-Grenze für Motorräder gilt.

Mogges 11.07.2013, 14:28

Unverschämtheit, wenn die den EU-weiten "A" noch nicht umgesetzt haben...

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fritzdacat 11.07.2013, 14:53
@Mogges

Och, ist doch garnicht schlecht wenn alles nicht so gehorsam umgesetzt wird, für uns hat das Vorteile (wie in diesem Fall)

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Mogges 12.07.2013, 03:35
@fritzdacat

Aus Sicht der Franzosen natürlich unverschämt...

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Indes 11.07.2013, 23:08

Danke für Deine Antwort! Dies klingt für mich schlüssig! Ich werde trotzdem beim Straßenverkehrsamt in Luzern anfragen - in der Schweiz wird ja doch das eine oder andere anders gehandhabt, wie ich es als Deutscher erwarten würde.

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fritzdacat 12.07.2013, 05:56
@Indes

Wenn die unsere Führerscheine nicht mehr anerkennen können sie ihren Laden gleich dicht machen.

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Habe jetzt die Antwort auf meine Anfrage beim auswärtigen Amt erhalten (habe meinen Namen durch "xxxxx" ersetzt):

Sehr geehrter Herr xxxxx, vielen Dank für Ihre Anfrage beim Bürgerservice des Auswärtigen Amtes. Alle deutschen Führerscheinmodelle, ebenso wie die der anderen Staaten des Europäischen Wirtschaftraums, haben in Österreich volle Gültigkeit. Informationen hierzu finden Sie auch auf der Website der österreichischen Botschaft Berlin: http://www.bmeia.gv.at/

Hier die Frage, die ich gestellt hatte:

Eine Frage: In Deutschland gilt die Einschränkung eines Führerscheins Klasse A2, dass ein Motorrad ungedrosselt maximal 70 kW haben darf, nicht (!). Begeht man als Deutscher , wenn man mit einer Maschine, die ungedrosselt 130 kw hat aber er auf 35 kw gedrosselt ist, in Österreich eine Gesetzesübertretung? Oder muss man in Österreich den deutschen A2 voll anerkennen? Meiner Meinung nach müssen Führerscheine gegenseitig international anerkannt werden.

fritzdacat 21.10.2013, 14:21

P.S.: ich gehe davon aus, dass man diese Aussage des Auswärtigen Amtes auch auf die Schweiz übertragen kann, ich hatte aber wegen der Richtung, in die sich die Diskussion entwickelt hatte, explizit nach Österreich gefragt.

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Die Frage ist mit einem klaren »Ja« zu beantworten.

Es gibt ein bilaterales Abkommen zwischen Schweiz und Deutschland. Führerscheine aus dem einen Land werden im anderen Land uneingeschränkt anerkannt.

Dies hat z.B. auch schon beim A1 gegolten, welcher in der Schweiz und Liechtenstein anders formuliert war als in Deutschland.

A1 in der Schweiz: Unter 18 maximal 50 ccm, Vmax nicht eingeschränkt. A1 in Deutschland: Unter 18 maximal 125 ccm, Vmax 80 km/h.

Was aber Voraussetzung war und ist: Man kann nicht einfach sagen »jetzt bin ich in der Schweiz/in Deutschland und fahre nach deren Regeln weil sie mir besser gefallen«.

Die CBF 600 hat offen 57 kW. Somit liegt sie unter dem EU-weit (abgesehen von Deutschland) umgesetzten Limit von maximal 70 kW ungedrosselt. Dies gilt - meines Wissens - auch in der Schweiz.

Daher: Die CBF 600 auf 35 kW gedrosselt entspricht voll und ganz der A2-Regelung. Daher darf sie mit dem »deutschen« A2 in der Schweiz bewegt werden.

Anders würde es aussehen wenn du z.B. eine R1 nimmst, diese auf 35 kW drosselst und damit in die Schweiz fährst. Dieses Fahrzeug entspricht nicht der EU-weiten Regelung von 2006 (umgesetzt 2011, in Kraft getreten 2013). Das wäre Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis - übrigens auch in Österreich (um ein EU-Land zu nennen).

fritzdacat 19.10.2013, 16:54

Man kann natürlich mit einem deutschen A2 mit einer gedrosselten R1 in der Schweiz rumfahren (und auch in Österreich, wo wir gerade schon dabei sind), eine EU-Richtlinie ist kein Gesetz, Gesetz ist was die nationalen Parlamente von der EU-Richtlinie umgesetzt haben. Ein deutscher A2 muss international anerkannt werden, und zwar in der in Deutschland geltenden Form und nicht nach dem, was in einer EU-Richtlinie steht.

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gaskutscher 19.10.2013, 18:48
@fritzdacat

Ein deutscher A2 muss international anerkannt werden

Leider nicht im Bezug auf die national in Deutschland umgesetzte 70 kW beschrenkung. Nicht einmal in der EU noch anderswo.

War früher schon nicht so und ist auch heute nicht so. Aber du hast den Kern erkannt:

Wenn eine EU-Richtlinie national umgesetzt wurde und in Kraft getreten ist, dann gilt sie in eben diesem Land - mit den Bedingungen, welche übernommen wurden.

Im Falle der Richtlinie 2006/126/EG vom 20. Dezember 2006 war das am 19.01.2011 bzw. 19.01.2013 als Stichtage für die EU-Länder verpflichtend. Manche Länder waren schneller (z.B. Spanien), manche haben genau auf den Stichtag hin gearbeitet (z.B. Deutschland) und manche haben blockiert und wurden mit Geldbußen belegt (Luxemburg).

Aber: In der Richtlinie ist nicht festgeschrieben, dass die Dokumente mit Ausnahmeregelungen auch überall gelten.

Was in Österreich national im FSG festgeschrieben ist, gilt so auch erst einmal für Ausländer. Erst durch bilaterale Abkommen sind national abweichende Klassen auch in anderen Ländern gültig.

Das fängt beim A1 an und hört auch beim A2 nicht auf.

Als Beispiel: Bis 2013 war es illegal mit einer 125er aus Deutschland mit dem Deutschen A1 in Österreich herumzufahren wenn man unter 18 Jahre alt ist. Gleiches galt in Belgien, den Niederlanden und Griechenland, denn dort war gemäß nationalem Recht das Mindestalter bei 18 Jahren – auch für Durchreisende.

Erst die Novellierung - und darum wurde sie ja gemacht - wurden die Führerscheinklassen weiter europaweit harmonisiert.

Der deutsche Alleingang im ignorieren der - was übrigens einfach nachzulesen ist - eigentlich obligatorischen Begrenzung auf 70 kW als ungedrosselte Basis, sorgt nun für Nachteile im Ausland.

Auch - unter anderem - hier nachzulesen:

http://www.fahren-lernen.de/Fahrlehrer/News/Detail/tabid/386/ArticleId/1370/Vorsicht-bei-Auslandsfahrten-mit-Fuhrerschein-der-Klasse-A2.aspx

Diverse Anfragen bei offiziellen Stellen in der Schweiz und Automobilclubs führen zur gleichen Antwort.

Gerne mal ausprobieren wenn du es nicht glaubst/wahrhaben willst.


Ergänzend als Exkurs: In anderen Ländern kann man den Aufstieg von A1 auf A2 oder von A2 auf A direkt ohne praktische Prüfung erwerben. Es genügen ein paar Fahrstunden bei einer Fahrschule, dann bekommt man die nächsthöhere Klasse (nach 2 Jahren Vorbesitz) ohne Prüfung.

Meinen A1 habe ich übrigens genau so in der Schweiz erworben: Fahrstunden absolviert, Bestätigung dafür abgegeben, Klasse A1 ohne Prüfung in den Führerausweis eintragen lassen. Anschließend konnte ich mir den in Deutschland umschreiben lassen und ich hatte einen deutschen Führerschein mit A1 - ohne dafür je eine Prüfung abgelegt zu haben.

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fritzdacat 19.10.2013, 19:04
@gaskutscher

Spielt keine Rolle, auch wenn es auf einer Fahrlehrer Webseite steht, und auch Automobilclubs gehen gerne den Weg des geringsten Widerstands. Eine Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis wäre nicht rechtens und ich würde mir das als Fahrer auch nicht gefallen lassen.

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gaskutscher 19.10.2013, 19:12
@fritzdacat

Ich weiß das meine Antwort korrekt ist.

Bevor du weiter mit deinem Wunschdenken andere Fragesuchenden verwirrst: Bitte starte selbst eine Anfrage bei den zuständigen Behörden.

Hättest du dies getan würdest du nicht deine persönliche Überzeugung - und leider ist es nicht mehr - als Fakt darstellen.


Hintergrund: Ich war berufsbedingt viel in Schweiz und Österreich unterwegs und hat daher auch zwangsläufig mit den zuständigen Behörden zu tun.

Bezüglich »Eine Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis wäre nicht rechtens« brauchst du dir nur die wenigen aber durchaus vorhandenen Vorfälle mit dem A1 U18 als Deutscher in Österreich oder mit 125er und Code 111 als Österreicher in Deutschland anschauen.

Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Wider besseren Wissens andere ins Messer laufen zu lassen wird leider nicht bestraft.

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fritzdacat 19.10.2013, 19:50
@gaskutscher

Ich habe gerade eine Anfrage an das auswärtige Amt gestartet, mal sehen, was die dazu sagen. Berufsbedingt bin ich ebenfalls ständig in der Schweiz unterwegs, Aus den Fahrzeugpapieren (Fahrzeugschein) geht die Maximalleistung (ungedrosselt) nicht hervor, weswegen D die Einschränkung ja auch nicht umgesetzt hat (keine Beweisbarkeit vor Ort).

Mal sehen, was dabei raus kommt, will niemanden "ins Messer" laufen lassen, sehe nur nicht ein, Einschränkungen hinzunehmen, die offensichtlich ungerecht sind und werde sie demnach auch nicht nachplappern.

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gaskutscher 20.10.2013, 11:26
@fritzdacat

Natürlich geht die ungedrosselte Leistung nicht aus den Papieren hervor. Bei einer 600er wird es also vermutlich schwierig für die Beamten vor Ort zu wissen, was die Maschine denn offen so hat.

Bei einer Suzuki GSX 1100 F oder Yamaha YZF-R1 werden die kontrollierenden Beamten aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wissen, dass diese etwas mehr als die gemäß EU-Richtlinie zulässigen 70 kW für ein Fahrzeug der Klasse A2 hat.

Die aktuelle Rechtslage zu zitieren ist übrigens meiner Meinung nach kein »Nachplappern«. Auch wenn die Informationen unangenehm sind.

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fritzdacat 21.10.2013, 18:02
@gaskutscher

Schau doch mal den Kommentar von Indes an (zur hilfreichsten Antwort von deralte), das Strassenverkehrsamt von Luzern hat die Sache bereits genau so bestätigt, wie ich sie auch gesehen habe.

Mein Anruf beim Strassenverkehrsamt ergab folgendes: "Usländer" = Ausländer dürfen, wenn sie im Ausland wohnen und dort den gültigen Führerschein haben in der Schweiz all das fahren, was im Heimatland auch erlaubt sei. Will heißen ich darf also mit dem deutschen A2 Führerschein meine auf 35kW gedrosselte Honda CBF 600 in der Schweiz fahren! Danke nochmal für den Tipp Strassenverkehrsamt Luzern!

Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

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gaskutscher 21.10.2013, 21:54
@fritzdacat

Die CBF 600 ist ja auch kein Problem. Die hat ja offen nicht mal annähernd 70 kW... Da stellt sich die Frage überhaupt nicht.

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fritzdacat 21.10.2013, 22:30
@gaskutscher

Ausländer dürfen, wenn sie im Ausland wohnen und dort den gültigen Führerschein haben in der Schweiz all das fahren, was im Heimatland auch erlaubt sei.

Aber was solls, du raffst es sowieso nicht.

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gaskutscher 21.08.2016, 01:27
@fritzdacat

3 Jahre sind vergangen... Und jetzt wird's amtlich... Schon blöd wenn man jetzt seine alten Postings anschauen muss und sich fragt »Mei, was habe ich damals nur für Unsinn geschrieben?«. Stimmt's? :)

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Noch ein Nachtrag:

Ja, es ist erlaubt mit dem A2 eine Maschine mit 35 kW in der Schweiz zu führen - sofern sie offen nicht mehr als 70 kW hat.

Die Antworten der zuständigen Behörden in der Schweiz (und Österreich) habe ich in meinem Blog zusammengefasst:

http://www.600ccm.info/1/131219/Mit_dem_A2_im_Ausland_-_was_ist_erlaubt?

Bei der CBF600 (offen 57 kW) gibt es somit keine weiteren Probleme. Eine Maschine über 70 kW offen mit dem A2 in der Schweiz wäre ein Problem. Siehe hierzu die zitierte Antwort vom ASTRA in meinem Blog.

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