Was gilt als eine hohe Kolbengeschwindigkeit?

2 Antworten

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Zuerst sollte man den Begriff definieren. Es gibt 2 Werte: die maximale Kolbengeschwindigkeit und die mittlere Kolbengeschwindigkeit. Üblicherweise wird die mittlere Kolbengeschwindigkeit bei Nenndrehzahl angegeben. Sie bewegt sich bei normalen Motoren zwischen 17 und 20 m/sek. Extreme erreichten die Langhuber Norton Manx Motoren (es gab auch Kurzhuber) mit ca. 25-26 m/sek. Den mir bekannten Höchstwert hatten die JAP Langhub - Sandbahnmotoren mit 27-29 m/sek. Das hielten die aber nur sehr kurzzeitig durch. Generell haben Kurzhuber geringere mittlere Kolbengeschwindigkeiten als Langhuber. Man muß dabei aber auch eines berücksichtigen: Langhuber haben nicht nur höhere Kolbengeschwindigkeiten, sie ertragen auch höhere Kolbengeschwindigkeiten. Bei der mittleren Kolbengeschwindigkeit handelt es sich nicht um eine gleichmäßige Gleitgeschwindigkeit, sondern um eine beschleunigte und verzögerte. Je 2x pro Umdrehung wird der Kolben bis zum Stillstand abgebremst, bis auf maximale Kolbengeschwindigkeit beschleunigt, die er bei halbem Hub erreicht und dann wieder bis zum Stillstand am Totpunkt abgebremst. Diese Beschleunigung und Verzögerung in der Nähe der Totpunkte (OT und UT) geschieht nicht linear, sondern progressiv. Da der Hubzapfen des Langhubers einen größeren Radius beschreibt als der des Kurzhubers, geschehen Beschleunigung und Verzögerung auf einem längeren Weg. Die An - und Ablaufkurven sind daher sanfter und damit die Beschleunnigungs - und Verzögerungskräfte geringer. In der Praxis bedeutet das, daß ein kurzhubiger hochdrehender Rennmotor mit z.B. 22 m/sek höhere Belastungen hat als ein Langhuber mit beispielsweise 23 oder 24 m/sek.

Du kannst die mittlere Kolbengeschwindigkeit leicht selbst errechnen.

(U/min (Nenndrehzahl) : 60) x (2x Hub (in mm) : 1000) = mittl. Kolbengeschwindigkeit in m/sek

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@chapp

Deine Erklärungen sind immer wieder ein Genuss.

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Ca. 20 Meter pro sec mittlere Kolbengeschwindigkeit gilt (galt) als Faustregel, also die Durchschnittsgeschwindigkeit von UT bis OT. Die Gefahr ist nicht die mechanische Festigkeit, sondern das Abreißen des Ölfilms, was zum Fresser führt. Die „wilden“ Drehzahlen der Supersportler sind dabei eher sekundär, weil sie einen geringen Hub (Weg von UT zu OT) haben. Unsere 50ccm Kracherler hatten ungefähr den gleichen Hub wie moderne 600ccm Supersportler, also etwa 40mm.

Das Abreißen des Schmierfilms wird ab etwa 24 - 25 m/sek kritisch. Deswegen wurde bei den alten Bahnmotoren Rizinusöl gefahren. Das hatte extrem gute Hafteigenschaften und hielt kurzfristig noch bis 27-28 m/sek

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