Warum schaukelt sich ein Motorrad hoch?

3 Antworten

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Ein Motorrad ist ein selbstregelndes System. Es pendelt, zum Glück meist unmerklich, praktisch immer. Es lässt sich mit den gezogenen Rädern eines Servierwagens vergleichen. Nachlauf, Lenkkopfwinkel und Radstand sind die wichtigsten Grundgrößen, die die Pendelfrequenz und die Höhe der Amplituden bestimmen. Hinzu kommen Fahrzeuggewicht, Beladung (Fahrer, Passagier, Topboxen u.Ä.), die Höhe des Gesamtschwerpunktes und die Position des Schwerpunktes zwischen den Reifenaufstandsflächen.

Jedes Motorrad hat auch eine kritische Geschwindigkeit, bei der sich die Eigenschwingungen des Fahrzeugs mit den Fahrwerksschwingungen und Einflüssen von außen (Gewichtsverteilung, Schwerpunktlage usw) überlagern. Wenn die Schwingungsamplituden sich im gleichen Frequenzbereich bewegen, dann überlagern und verstärken sie sich gegenseitig. Es kommt zu Verstärkungseffekten, die der Fahrer als zunehmend unkontrollierbares Aufschaukeln erlebt.

Die Konstrukteure bemühen sich, dieses Schwingungsmaximum in einen Geschwindigkeitsbereich zu legen, den die Maschine normalerweise nicht erreicht, oder in so niedrige Bereiche, in denen sie nicht weiter gefährlich sind. Chopper sind konstruktiv nicht für Geschwindigleiten über 160 kmh ausgelegt. Würde man das tun, wären sie durch den hohen Luftwiderstand und den hohen Schwerpunkt im wichtigen Geschwindigkeitsbereich zwischen 50 und 130 kmh unfahrbar.

Gruss Helmut

Vielen Dank. Endlich habe ich eine Erklärung dafür und brauche nicht durch unnötige, vielleicht gefährliche Experimente versuchen das Aufschaukeln zu mindern bzw. zu beseitigen. Das "auf dem Tank liegend" um mal die höchste Geschwindigkeit zu erreichen, versuche ich jetzt erst gar nicht mehr (nach Versuchen das Schaukeln zu mindern). Kann durchaus sein, dass Du mir mit Deiner Erklärung (verstehe jetzt besser die Zusammenhänge) ein Aufwachen jenseits der Leitplanke erspart hast. Da ich ja meist sowieso unter 160 Km/h fahre, kann ich damit leben. Danke Dir. Gruß Bonny

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@Bonny2

also mir ist so etwas auch schon passiert. Habe es dann aber auf den schlechten Fahrbahnzustand geschoben. Wollte am Berg einer Triumpf-Tiger folgen, welcher flott fuhr. Die Geschwindigkeit konnte ich aus Zeitmangel nicht ablesen (musste zusehen, das ich die Kurven schaffte). Plötzlich machte mein Moped so eine Art Bocksprünge. Ich habe das Gas weggenommen und, mir kam's wie ne Ewigkeit vor, bis ich's wieder im Griff hatte.

. . . . aber @Bonny, wie machst Du das dann? Gruß, Fritz

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@Bonny2

Wie schaffst du es, mit deinem Hochlenker, auf dem Tank liegend zu fahren ? Kann das aufschaukeln nicht auch mit dem extremem Lenker zu tun haben, den du fährst ? Gruß Floyd.

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@19ht47

Bocksprünge macht meine nicht, das ist kein Aufschaukeln. Ab ca. 150 Km/h wird meine Chopper etwas unruhiger im Fahrwerk. Sie fängt an leichte Pendelbewegungen zu machen. Ist wie ein kleiner, kurzer aber weiches Slalom. Beschleunigt man weiter, kann es sein, dass es sich gibt, aber auch, dass es schlimmer wird. Bis ca. 170 Km/h komme ich damit gut klar, ist aber für einen Unerfahrenen schon sehr problematisch. Meist kann ich auf Dauer 160 - 170 Km/h fahren, ohne dass es extrem schaukelt/vibriert. Manchmal wird das Schaukeln aber in wenigen Sekunden plötzlich derart stark, dass das Motorrad kaum noch in der Spur zu halten ist. Es ist auch kein Schaukeln mehr, sondern mehr als wenn jemand kräftig gegen die Lenkerenden schlägt. Passiert meist in langen Kurven oder seichtem Spurwechsel. Ich nehme sofort das Gas etwas weg, keinesfalls völlig und stabilisiere leicht mit der Hinterbremse. Da muss man schon die Nerven behalten. Das Gas völlig wegnehmen und das Motorrad stark abzubremsen bringt einen unweigerlich zum Sturz. Ist das Motorrad sachte unter 150 Km/h verzögert, lassen die Schwingungen nach. Danach kann man es wieder erneut versuchen.

Als mir das Aufschaukeln das erste Mal passiert ist, hatte ich instinktiv das Richtige gemacht. Allerdings gebe ich zu, mir Stand das Wasser von den Zehen bis in den Augen. Heute habe ich mich zwar daran gewöhnt, fahre aber selten schneller als 160 Km/h. Da muss ich so hoch konzentriert sein, dass es mir keinen Spaß mehr macht. Außerdem, was ist, wenn ich beim "Pendeln" mal ausweichen oder kräftig bremsen muss? Besser nicht darüber nachdenken und es vermeiden. Das Gefährliche dabei ist, dass es ist nicht immer ist, kann aber ohne Vorwarnung in Sekunden sehr gefährlich werden. Gruß Bonny

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@Floyd

Mit dem Oberkörper fast auf dem Tank liegend und die Arme nach oben am Lenker, geht. Sieht aber sehr "komisch" aus. Allerdings hat man dann auch nur sehr wenig Gewalt über das Motorrad. Mache ich sowieso nicht mehr, ist ein gefährlicher Unfug.

Der hohe Lenker trägt mit Sicherheit auch dazu bei, da hast Du schon Recht. Aber mehr durch den Luftwiderstand und der Luftströmung. Das habe ich aber völlig in Griff. Andere Chopperfahrer, auch mit "Breitlenker" berichten aber auch vom Aufschaukeln. Denke mal, es sind wie Chapp sehr gut erklärt hat, die Schwingungen. Spricht alles dafür.

Jetzt wo ich die Zusammenhänge besser kenne, kann ich das Bike besser einschätzen und damit sicherer fahren. Habe heute hier sehr viel gelernt, auch als "alter Sack" mit 45 jähriger Motorraderfahrung. Gruß Bonny

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@Bonny2

Das muss nicht am Lenker liegen. Als auf meiner Trude noch der originale Lenker drauf war, pendelte das Motorrad viel eher, und stärker, sogar in der warmen JAhreszeit. Und jetzt hab ich einen sehr breiten Lenker - dafür pendelt sie nur noch im Winter.

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@Bonny2

hallo Bonny,

vielen Dank für Deine Antwort. Gruß, Fritz

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Na ja, das Pendeln könnte der Preis der langen Gabel sein, die Eigenfrequenz, bei der das Bike (mit allen seinen Teilen schwingt) wird niedriger bzw. rückt auf einmal in Geschwindigkeitsbereiche, die man auch tatsächlich fährt. Hast du schon mal andere
(Typ / Marke) Reifen probiert? Könntest dir auch einfach einen Lenkungsdämpfer anbauen lassen, Klappe zu, Affe tot ;-)

so perfekt wie Chapp habe ich es natürlich nicht beschrieben :-)

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@fritzdacat

Eine "lange Gabel" habe ich (noch) nicht. Unterschiedliche Reifen hatte ich, Schwingungsdämpfer an den Lenkerenden auch. Hat alles nichts gebracht. Denke mal es ist so wie Chapp und Du es beschrieben habt, dass es die Eigenfrequenz ist die in den fahrbaren Bereich rückt. Deshalb ist es auch nicht immer. Ihr habt mir wirklich sehr geholfen. Danke Dir auch. Gruß Bonny

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@Bonny2

meinte eigentlich einen richtigen Lenkungsdämpfer, nicht die Schwingungsdämpfer an den Lenkerenden :-)

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@fritzdacat

Lenkungsdämpfer habe ich noch nicht probiert. Brauche ich auch nicht mehr. Ich fahre sehr selten in dem gefährlichem Bereich über 160 Km/h. Passiert ja nicht, wenn ich mal kurz drüber bin, nur bei längerer Fahrt auf der Autobahn. Meist fahre ich ja auf Landstraßen und da muss man ja an den Kurven abbremsen (grins und duck). Gruß Bonny

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Ok - weils Du bist. - Pendeln kommt zu 90% von Deinem BALLON-Reifen. Würdest eine 5,5" Felge mit einem 180/55/17 Reifen aufziehen, wäre das pendeln vorbei - da bin ich mir sicher - wetten? Bei einer originalen V-max mit einer 3,5" HR-Felge mit den Schei...Ballonreifen ist das genau gleich. Mit 120km/h aus einer Kurve von Gas-auf brauchst ca. 200m zum das Bike wieder zu stabilisieren. (pendeln ohne Ende) - 5,5" oder 6" Felge mit o.a. Reifendimension (Niederquerschnitt) und das pendeln ist Geschichte. Ist bei Deiner Chopper nicht anders. Gruß hj

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