Warum ölen alle alten Engländer?

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Es lag nicht an der Qualität der Dichtflächen und an den Dichtungen. Eine simple Ursache lag einfach an der hohen Anzahl der Dichtflächen und der außenliegenden Ölleitungen und Öltanks. Zusammen mit den brachialen Vibrationen wurde die eine oder andere Dichtfläche undicht. Je mehr es davon gibt, desto mehr können undicht werden. Die Hauptleckagequelle war aber das Primärkettengehäuse. Englische Maschinen hatten vom Motor getrennte Getriebe, die mit einem Kettenkasten, der die Kupplung und die Primärkette schützte, mit dem Motorgehäuse verbunden waren. Die Primärketten hatten keinen Kettenspanner. Um sie zu spannen, mußte das ganze Getriebe nach hinten zum Schwingenlager verschoben werden. Um dies zu ermöglichen war das Getriebe im Rahmen in Langlöchern montiert. Genauso mußte auch die Getriebe-Antriebswelle, auf der der Kupplungskorb saß, im Kettengehäuse in einem Langloch sitzen. Man konnte also keine fest verschraubte Dichtung oder gar einen Simmerring einbauen, sondern hinter der Kupplung wurde dieses Langloch behelfsmäßig mit Filzringen oder ähnlichen Provisorien mehr symbolisch abgedichtet. Diese Deckel dicht zu kriegen war ein technische Ding der Unmöglichkeit. Bei Triumph, BSA und AJS waren diese Deckel wenigstens aus solidem Aluguß, und die vordere und hintere Hälfte mit mehr als einem Dutzend Schrauben förmlich zusammengenäht, was wenigstens das Gehäuse selbst halbwegs dicht gemacht hat. Bei den NORTON Domis hat man sich das noch einfacher gemacht. Das Gehäuse war aus Stahlblech. Der vordere, schön verchromte Deckel wurde nur durch die Fußrastenachse auf den hinteren Deckel gepreßt und dazwischen mit einer ca 1cm dicken Moosgummidichtung "abgedichtet". Die ganze Konstruktion setzte dem Ölfluß nur symbolischen Widerstand entgegen. Es lag also weniger an schlampiger Verarbeitung, was bei den Ladies noch dazu kam, als an schweren Konstruktionsfehlern.

Toll, da spricht fundiertes Fachwissen. Gruß T.J.

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@Endurist

Noch eine Ergänzung. Die Englischen Twins hatten um 360° versetzte Hubzapfen. Dh beide Kolben bewegten sich gleichzeitig nach unten und sorgten für einen gehörigen Überdruck im Kurbelhaus. Da man sich eine effektive Kurbelgehäuseentlüftung geschenkt hat (im Gegensatz zu BMW z.B.) führte das auch zu Leckagen und Ölnebel aus der Entlüftung. Also wieder Konstruktionsfehler.

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Hat sicher mit der Landessprache der Hersteller zu tun. Harley´s ölen auch. Bei „Deutscher Wertarbeit“ ölt nichts. Und die Japaner haben es uns nur abgekuckt. (Grins) Gruß Bonny

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