Wie empfindet ihr wenn ihr mal längere Zeit mit dem Motorradfahren eine „Zwangspause“ einlegen musstet?

6 Antworten

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Ich habe in meinem Motorradfahrerleben mehrmals Pausen. Zwangspausen und freiwillige. Aus beruflichen, geschäftlichen, familiären und Unfallgründen. Anlaufschwierigkeiten danach ? Nein. Auch keine Unsicherheit oder gar Angst. Eher war ich beim Neustart etwas zu schnell unterwegs.

Egal, wie lange die Pause gedauert hat, es genügten wenige Minuten und ich war wieder dort wo ich aufgehört hatte, egal mit welchem Motorrad. ich habe meine Motorräder ständig gewechselt und hatte nie Umstellungsschwierigkeiten.

Nach meinem schweren Unfall 2011 war allerdings etwas anders. Ich war natürlich fest entschlossen, wieder zu fahren. Ich bin auch gefahren - null Problemo, allerdings hat mich etwas gestört: der Biss war weg. Ich bin auf die Maschine gestiegen und von ihr wieder runter - ohne Angst aber auch ohne Vergnügen.

Vielleicht kommt es wieder, aber zur Zeit treibt mich nichts aufs Motorrad.

Ich bin auf die Maschine gestiegen und von ihr wieder runter - ohne Angst aber auch ohne Vergnügen.

Schade :-(

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Hallo Detlef,

Wie fühlte ich mich nach meiner Zwangspause... 1 Jahr ist ne lange Zeit, wenn man sie mit Hoffen, Bangen und Unsicherheiten bezüglich eines eigenen Körperteils verbringen muss...

Noch in der gleichen Woche in der ich von den Ärzten, hörte, dass ich wieder alles, außer hüpfen und springen, machen darf, aber nicht Motorradfahren darf.... kaufte ich mir wieder ein Motorrad. Ich fühlte mich auf der einen Seite verdammt glücklich, auf der anderen Seite hatte ich aber auch Angst. Nicht wegen dem Fahren an und für sich, sondern weil ich nicht wusste, in wie weit mein Bein wieder mitmacht, nicht sicher war, wie es mit dem Schalten klappen würde (Trockenübungen waren mehr als unzureichend), nicht einschätzen konnte, wenn, wie lange ich überhaupt fahren werde können, schließlich hatte ich noch große Probleme, wenn das Bein ohne Bewegung nach unten hing... lauter große Fragezeichen... und nicht zuletzt hatte ich noch zwei Platten und 19 Schrauben im Unterschenkel, ein Sturz würde fatal enden.... obendrein hatten mir die Ärzte ausdrücklich das Motorradfahren verboten.

Naja, das Schalten klappte weitestgehend passabel. Nach wenigen Minuten hätte ich mich eigentlich wieder rundum wohl gefühlt und wäre eigentlich mehr als glücklich gewesen..... wenn ich nicht nach wenigen Minuten Schmerzen ich wie Tier bekommen hätte, nicht wegen der erlittenen Verletzungen, nein. Ich hatte durch eine der Metallplatten eine Art "zweiten Knöchel" über dem natürlichen, jeder Stiefel scheuerte dort und es tat einfach nur höllisch weh, war nur bissel Haut über der Metallplatte...

Als ich dann dafür eine Lösung hatte, war meine Welt wieder in Ordung. Ich konnte wieder Motorrad fahren, und zwar ein Motorrad "von der Stange", ohne Handschaltung. Anlaufzeit... ja und nein. Gefühlt nein, aber ich fuhr Anfangs schon etwas bedachter, irgendwie klang da ab und an die Stimme meiner Ärzte in meinem Kopf und mir war auch klar, dass ein Sturz mich den Unterschenkel kosten könnte, so lange die Platten noch drin sind. Aber... das hielt nicht lange an und ich fuhr so wie eh und je.

Seit dem ist viel Zeit vergangen... gut 2 Jahre nun... die Platten sind seit nem Jahr draußen.... aber ich genieße nach wie vor jeden Meter auf dem Motorrad - nichts, gar nichts, ist selbstverständlich.

Gruß - Christine


Respekt

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@fritzdacat

Danke! :-)

Ich hatte aber keine andere Wahl, das ist Lebensqualität und die, die lasse ich mir nicht so einfach nehmen, dazu bin ich (oder fühle ich mich) eindeutig zu jung. Ich will Motorrad fahren, ich wollte mit meinem Sohn an seinem Abschlussball, knappes Jahr nach dem Unfall, tanzen (ok, das ging noch lange nicht so wie früher, aber mittlerweile klappt auch das wieder gut, also... an den Hochzeiten meiner Söhne bin ich wieder voll dabei ;-) ) und ich will verdammt nochmal mit meinen zukünftigen Enkelkindern auf Bäume klettern, wie ich es noch vor wenigen Jahren mit meinen eigenen Söhnen gemacht habe. Dafür acker ich aber auch 3x die Woche einige Stunden um die vorhandene Bewegungsfähigkeit zu erhalten und vielleicht langsam noch immer ein bisschen zu verbessern. Da muss ich aber ständig am Ball bleiben, schummeln gilt nicht, wird sofort mit weniger Bewegungsfähigkeit "bestraft".... also, Sport - eine Lebensaufgabe. Damit und den verbliebenen Einschränkungen kann ich aber leben, mit "dies" oder "das" nicht mehr können, nur noch in Erinnerungen schwelgen, nein, damit könnte ich nicht leben. Also: keine andere Wahl.

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Nach Pausen (auch durch längere Regen/Schnee/zu-hohe-Temperatur - Phasen) erwische ich mich immer, dass ich viel zu schnell fahre, muss dann wirklich auf den Tacho achten. Einerseits ist das gut, weil ich in diesen Phasen Wochen vorher geübte Sachen tiefer automatisiert habe, andererseits muss man einfach höllisch aufpassen, der Bremsweg wächst ja im Quadrat zur Geschwindigkeit.

Unfälle als Fahrer hatte ich nur 2 (obwohl, ein Highsider auf dem ADAC Übungsplatz zählt ja eigentlich nicht mit ;)  ) , der Rest war als Passagier.... je jünger man ist, um so mehr verinnerlicht man diese Sachen, inzwischen habe ich eigentlich kein Problem mehr damit, wenn halt die Grip-App versagt kann ich ja wohl am wenigsten dafür LOL.  Was man nach einem Sturz/Unfall schnell wieder abschütteln muss ist eine gewisse Apathie, ist jedenfalls bei mir so. Mein Tipp für alle die es mal erwischt: sich ablenken, aktiv bleiben, planen, nicht so viel grübeln... wie heisst es so schön: hell is called "thinking"

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