Wer ist schon aus dem Urlaub mit dem Motorrad zurück und hat schönes erlebt?

3 Antworten

Hallo Slider, du kannst mich beglückwünschen. Wir haben gerade 2,5 tausend km durch die Schweiz und Frankreich hinter uns. Vom Bodensee zum Mittelmeer. Der Plan für nächstes Jahr ist schon im Hinterkopf (auf jeden Fall noch mal die französischen Alpen). Also, bleib hart, irgendwann kommt auch deine Zeit.

hola slider, du hast unser mitgefühl. ich kann endlich n´paar überstunden abbauen,fahr nächste woche ne 2einhalbtausend km tour durch die alpen über 38 pässe. geht runter bis zum BONETTE und COL DE TURINI. gruss tom

Hier ne "nette Geschichte"

Am Abend nach einer langen, kurvenreichen Tour. Eine bekannte Biker-Herberge ist nicht weit. Ein Anruf - Glück gehabt, ein Zimmer ist für Sabine und mich noch frei. Der Wirt weist uns für das Motorrad sogar noch einen Platz in der geräumigen Garage zu, in der Ecke hinter dem großen Holzstoß; der übrige Raum ist randvoll mit Maschinen unterschiedlichster Art vollgestellt: Drei knallgrüne Supersportler stehen dort aufgebockt, alle mit gleichen Kennzeichen, eine aufgestylte, chromblitzende Harley, ein Softchopper mit kühn geschwungenem Lenker, eine schlammbespritzte Africa Twin, und hinten in der Ecke, im Schatten mehr zu erahnen als zu erkennen, eine Einzylinder BMW, Baujahr vielleicht irgend wann in den Dreißigern.

Nach der Dusche zum Abendessen. Da sitzen sie, die anderen Biker: in der Ecke, an einem Rundtisch, zwei fröhlich durcheinander plaudernde Pärchen, vielleicht so Mitte zwanzig, zwei Tische weiter drei junge, gelglänzende Burschen, die sich gegenseitig mit schräg abgewinkelten Händen extreme Kurvenlagen demonstrieren; etwas abseits, vertieft eine Zeitung lesend, ein seriös wirkender Herr mit akkurat gestutztem Kurzhaarschnauzbart, Typ Versicherungsvertreter; und in einer Fensternische schließlich ein älterer Mann mit grau-schwarzem Vollbart, der sich angeregt mit einem schmächtigen Jüngling unterhält, der zum Selberfahren wohl noch zu jung ist ; bestimmt der Enkel, den der Opa auf eine Tour mitgenommen hat. »Die drei Typen da hinten gehören zu den Kawas«, meint Sabine und macht sich voller Heißhunger über ein betörend duftendes Steak her. »Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. »Habe ich mir auch gedacht«, stimme ich zu, »und die beiden Kerle mit ihren Bräuten zu der Enduro und dem Chopper. Wahrscheinlich ist der Dunkelhaarige der Chopperfahrer, und der andere steuert die Africa Twin.« »Möglich, könnte aber auch umgekehrt sein. « Sabine runzelt skeptisch die Stirn. »Die Freundin von dem Blonden kann ich mir eher hinten auf einem Chopper vorstellen.« »Jedenfalls passt die Harley am besten zu dem Banker mit der Abendzeitung«, stelle ich zwischen zwei tiefen Zügen fest. »Und dem Alten mit dem Jüngling gehört der Oldtimer«, nickt Sabine kauend. » Vielleicht aber auch die Harley«, wende ich ein, inzwischen an meiner vorschnellen Zuordnung zweifelnd. »Der Zeitungsleser ist dann der Oldie-Freak. « Das könne sie sich beim besten Willen nicht denken, erklärt Sabine kategorisch, zu dem Typen passe keine Uralt BMW, dann schon eher der Soft-Chopper, aber der sei ja schon eindeutig vergeben. Beim Frühstück sehen wir alle wieder: die jungen Männer einheitlich wie Drillinge in pappiggrünblaue Ledereinteiler gekleidet, die beiden Pärchen in T-Shirts und die Stiefel überdeckenden Textilhosen, bunte Jacken über den Stuhllehnen, der Alte mit seinem Enkel fehlt noch, und welch Erstauen der Vertretertyp in Anzug und Krawatte. Beim Beladen unserer Maschinen bricht an einem Koffer ein Teil der Halterung ab, und wir sind gezwungen, ihn mit etwas Draht zu sichern. Verhalten fluchend basteln wir an dem ausladenden Behälter herum. Da tauchen die drei Grellen auf, schieben ihre Renner ins Freie, schwingen sich in die Sättel, und weg sind sie mit Getöse. Dann erscheinen die beiden Pärchen. Zielstrebig steuern sie auf Chopper und Enduro zu. Doch hoppla weder der Dunkle noch der Blonde besteigen den Chopper; nein, die beiden Mädchen verstauen ruckzuck ihr Gepäck darauf und verlassen, nachdem sie uns freundlich zugewinkt haben, gefolgt von den beiden Männern auf der Africa Twin die Garage. Als nächster kommt, nach einer längeren Pause, der Enkel, wie wir beide ihn inzwischen stillschweigend getauft haben, jedoch allein, ohne Opa. Alles an ihm ist fransig. die dunkelbraune Lederjacke, die speckige Hose, der Wollschal und auch die beiden Packtaschen, die er unter den Armen trägt. »Der und die Harley? Das gibt 's doch nicht!« flüstere ich ungläubig und steche mir vor Verwunderung mit der Drahtspitze in den Daumen. Doch genau so ist es: Packtaschen festgeschnallte, Brille und Jethelm aufgesetzt, ein kurzes Nicken in unsere Richtung, dann erweckt er die Softail zum Leben. Endlich erscheint, in einer Lederkombi undefinierbarer Farbe, an der die Jahre auch nicht spurlos vorübergegangen sind, der Alte, erkundigt sich liebenswürdig, ob er uns helfen kann und steuert, als wir verneinen, auf den Oldtimer zu. Na, wenigstens bei ihm liegen wir richtig. Behutsam klappt er den Seitenständer der liebevoll restaurierten BMW ein, schiebt sie Richtung Garagenausgang und - bockt sie wieder auf. Dann verschwindet er noch einmal in der dunklen Ecke. Als er zurückkommt, stockt uns der Atem. Eine feuerrote, aus zwei Scheinwerferschlitzaugen blitzende Ducati 996 schiebt er heraus, die wir in der Dunkelheit hinter dem Oldie gar nicht gesehen hatten. »Einen vergnügten Tag noch«, wünscht er uns, die wir ihn mit offenen Mündern anstarren. Als er donnernd aus der Garage schießt, bin ich mir sicher, dass er unter seinem Helm breit grinst.

Quelle: Biker Typen v. J. Brater

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