PS gleich PS-Stärke?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Lieber Bonny,

nimm als "Gegner" für die armen Pferdchen nicht dein Motorrad sondern einen Traktor. Er könnte etwa das Gewicht von 5 Pferden haben. Wenn du den antreten lässt und einen Gang einlegst, der ihn etwa so schnell macht, wie ein gehendes Pferd (ca 6kmh). Dann wirst du sehen, daß dieser ein ebenbürtiger Gegner für die 5-6 Pferde ist. Der Erfolg hängt dann von der Traktion ab. Motorräder sind für diesen Vergleich zu leicht und sie sind auf Geschwindigkeit und nicht auf Zugkraft übersetzt. Dadurch kann man die physikalischen Parameter nicht vergleichen.

Bauern gehen davon aus, daß ein starker Kaltblüter etwa eine Stunde lang ca 3-5 PS leisten kann. Das PS ist nur eine physikalische Größe, die eigentlich ein Beschleunigung mißt. Ein Gewicht von 75 kg wird in einer Sekunde einen Meter hoch gehoben. Der Wert ist ziemlich willkürlich gewählt und hat mit einem Pferd nicht viel zu tun.

Langsam fällt bei mir der Groschen. Das Getriebe ist es. Aber wenn ich jetzt an meine alte „Kreidler“ mit 6,3 PS denke. Den Motor fest verankere, ein starkes Getriebe mit möglicher Untersetzung anbaue, kann ich dann 6 Pferde beim „Tauziehen“ besiegen? Ehrlich, die 100 PS-Frage habe ich schon vielen gestellt, aber noch nie eine befriedigende Antwort erhalten. Da hier etwas Ruhe eingekehrt ist, habe ich diese Frage mal gestellt. Interessiert mich schon seit langem. Gruß Bonny

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@Bonny2

Bei der entsprechenden Übersetzung kannst du mit einem 6,3PS Motor 6 Elefanten wegziehen. Deswegen habe ich bei der Gangwahl auch darauf hingewiesen, daß du mit dem Traktor eine gewisse Geschwindigkeit erreichen mußt, weil es sonst gegenüber den Pferden unfair wäre.

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@Bonny2

Noch ein Beispiel:

lass einen starken Kaltblüter einen 2to schweren Baumstamm im Wald eine Steigung hochziehen. Er schafft das und entwickelt dabei eine Geschwindigkeit von etwa 3-4 kmh. Dazu muß sein Körper etwa 4 PS entwickeln.

Nimm als Gegner eine Motorseilwinde, die du an einem Baum befestigst und lass sie den Stamm dieselbe Strecke ziehen. Um dasselbe Ergebnis zu erzielen benötigst du eine Winde mit etwa 4 PS.

Der arme Gaul muß dabei auch noch sein Körpergewicht von ca. 800 kg mitschleppen.

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@chapp

Bin ich froh, dass es solche fachlich guten Mitglieder wie Dich (andere natürlich auch) hier gibt. Endlich habe ich eine Erklärung, ohne Formeln und Berechnungen. Deine Erklärungen haben mir schon oft sehr geholfen. Deshalb war ich damals hier Mitglied geworden und bin es noch heute. So, musste mal gesagt werden. Gruß Bonny

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@chapp

Kleine Ergänzung: Wenn du noch einen richtigen Flaschenzug mit einbaust, kannst du so ziemlich alles wegziehen, bei entsprechend geringer Reibung. Wie Archimedes schon sinngemäß sagte: Bau mir einen Ankerpunkt, und ich werde die Welt aus den Angeln heben. Damit meinte er das Hebelgesetz.

Wenn man also einen entsprechenden Hebel ansetzt, kann man so ziemlich alles bewegen. Die Frage ist nur, wie schnell kann man die Massen bewegen. Hierbei ist die Energie entscheidend, die aufgewandt wird. Wenn du es dir also leicht machst, dauert es länger.

Ein Beispiel: Du musst 4 Kisten Bier in den 3. Stock schleppen. Schleppst du jede Kiste einzeln, ist es für dich leichter. Du brauchst aber 4mal so lange, wie als wenn du alle auf einmal hochschleppst. Die potenzielle Energie, die das Bier danach hat, ist in jedem Fall gleich. Gut, ich habe hier angenommen, daß du leicht wie eine Feder bist, und man dein Körpergewicht vernachlässigen kann.

Dennoch zeigt das Beispiel, daß es nicht unbedingt auf die Leistung ankommt.

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Erstmal vorweg:

Leistung ist Kraft mal Weg pro Zeit d.h. Kraft mal Geschwindigkeit oder Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit.

Wenn man das Drehmoment mal die Übersetzung nimmt erhält man das Raddrehmoment;

teilt man dieses durch den Hebel sprich den Reifenradius so erhält man die Radzugkraft.

Wenn man wiederum von dieser Kraft die Fahrwiderstände (Rollwiderstand und Luftwiderstand) abzieht und das Ganze durch die Masse teilt, erhält man die Beschleunigung.

Ab einer gewissen Geschwindigkeit entspricht die Radzugkraft dann dem Fahrwiderstand, d.h. Beschleunigung gleich 0 und du hast die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Weicht jetzt etwas vom eigentlichen Thema ab aber ich denke ich hör aus manchen Kommentaren da eine gewisse Unsicherheit raus und das kann also Hintergrundwissen nicht schaden.

Nun zur eigentlichen Frage (die schon halbwegs beantwortet wurde):

Ich will nur noch ergänzen, dass ein Pferd kurze Zeit bis zu 25PS leisten kann. PS war die Angabe für Dampfmaschinen, wieviele Pferde sie für eine Tagesarbeit ersetzen konnte (schau mal bei Wikipedia). Kraft und Leistung haben unter normalen Bedingungen imo etwa dasselbe Verhältnis d.h. du könntest bei entspechender Übersetzung 3 Pferde wegziehen, nicht aber 4. Wenn du allerdings an den armen Tieren stundenlang ziehen würdest, dann könntest du irgendwann 100 Pferde wegziehen. natürlich vorausgesetzt es gäbe keine Reibungskraft ;-)

Die Einheit wurde erstmals zur Leistungsbeschreibung von dampfgetriebenen Wasserpumpen im Bergbau Britanniens verwendet. Ein PS war damals als die Leistung bezeichnet, die benötigt wird, um 75 Kg/Liter Wasser in einer Minute einen Meter anzuheben. Heute entsprechen 1,36 PS einem Kilowatt.

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