Macht ein perfekt eingestelltes Fahrwerk einen Lenkungsdämpfer überflüssig?

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5 Antworten

Lenkungsdämpfer sollen schlechte Fahrwerkskonstruktionen kompensieren. In Einzelfällen kann man damit auch ungünstige Belastungszustände ausgleichen. Jedes Fahrwerk pendelt! Wenn sich die Grundfrequenz und z.B. das Lenkerpendeln überlagern und dadurch gegenseitig verstärken, dann versucht man mit dem Lenkungsdämpfer die Eigenfrequenz der Lenkung so weit von der Frequenz des Fahrwerks wegzuschieben, daß es zu keiner Überlagerung und damit Verstärkung kommt. Ein gut konstruiertes Fahrwerk hat diese Schwingungsfrequenzen in Geschwindigkeitsbereichen, die man normalerweise nicht erreicht. In diesem Fall ist ein Lenkungsdämpfer überflüssig.

Nein, denn auch die stabilsten Rahmen haben eine Eigenfrequenz und wenn mehrere Impulse passend zur Frequenz auf das Fahrwerk einwirken kommt es zu einer Schwingung. Selbst wenn man die Eigenschwingung aus der Betrachtung herausnimmt ist es angenehm, bei Bodenwellen in Schräglage einen solchen Dämpfer zu haben. Lenkungsdämpfer machen dann aus schlechten Fahrern gute Fahrer ;-)

moppedden125 24.04.2012, 20:21

Gekauft - den Lenkungsdämpfer mein ich ;--))

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fritzdacat 24.04.2012, 20:44
@moppedden125

Genau, auch gute Fahrer können Lenkungsdämpfer einen Lenkungsdämpfer brauchen ;-)

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Wenn es an dem so wäre, wäre es ein Armutszeugnis für die Hersteller, die bestimmte Modelle serienmäßig mit einem Lenkungsdämpfer ausrüsten, da ja dadurch bewiesen wird, dass sie nicht in der Lage sind, "vernünftige" Fahrwerke zu bauen. Wenn du ein Moped mit wenig Gewicht, viel PS und Drehmoment, kurzem Radstand und breiten Reifen produziertst, wird das Lenkerschlagen praktisch "gezüchtet". Es ist ein Tribut, der für "moderene" Motorrad-Konzepte gezollt werden muß.

user1332 24.04.2012, 11:15

Das ist bei den PKW Herstellern leider schon lange normal schlechte Fahrwerke durch ESP "beherrschbar" zu machen.

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chapp 24.04.2012, 14:08
@user1332

Vor Allem bei Japanischen Autoherstellern, die bis heute nicht in der Lage sind, halbwegs vernünftige Fahrwerke zu bauen.

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badboybike 24.04.2012, 14:28
@user1332

Das würde ich jetzt aber nicht so unterschreiben, Kai! Ein Auto, auch wenn es mit knapp 300 km/h unterwegs ist, flattert nicht wie ein Motorrad. Das ESP beim Auto ist ein bisschen was Anderes, als der Lenkungsdämpfer beim Mopped.

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chapp 24.04.2012, 22:45
@badboybike

Jedes Auto hat einen Lenkungsdämpfer. Silverbullet hat insofern Recht, als man im Auto schlechte Fahrwerke durch Elektronik deutlich verbessern kann. Beim Motorrad ist das nur sehr bedingt möglich.

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Unerwünschtes Lenkerschlagen hat eher was mit der Fahrweise/Untergrund zu tun als mit dem Fahrwerkssetup. Dieses kann man zwar für bestimmte Situationen optimieren, im realen Leben gibt es dummerweise jedoch stark wechselnde Untergründe und Fahrverhaltensweisen.

Die erste Frage wäre ja schon - was ist ein perfekt eingestelltes Fahrwerk ? Perfekt wofür ? Auf die Verhältnisse optimal Einstellen lässt sich ein Fahrwerk nur für eine bestimmte Rennstrecke wenn man gerade da ist. Dazu braucht man den gegenwärtigen Zustand, die Temperatur, nass , feuchtig oder trocken usw. usw.

Auf der Landstraße ändern sich die Verhältnisse spätestens nach ein paar Kilometern (besonders bei dem Wartungszustand der meisten unserer Straßen). Dazu kann es immer nur eine Kompromisseinstellung geben die dem persönlichen Geschmack entspricht.

Lenkungsdämpfer verhindern in erster Linie das Lenkerschlagen beim Beschleunigen. Das passiert hauptsächlich bei sportlich ausgelegten Motorrädern die wegen der gewünschen Handlichkeit einen eigentlich zu kurzen Radstand haben. Daraus resultiert in Konbination mit der eigentlich auch zu hohen Motorleistung die Neigung das Vorderrad beim starken Beschleunigen zu entlasten. Dann genügt oft nur noch eine kleine zusätliche Anregung wie eine Bodenwelle oder ein Frostaufbruch auf der Landstraße und das Vorderrad fängt an zu schlagen. Bei einigen Motorrädern reicht auch nur ein abgefahrener Hinterreifen.

Das könnte man auch durch Verstellungen am Fahrwerk in den Griff kriegen. Man kann z.B. die Druckstufendämpfung hinten erhöhen um ein zu starkes "in die Feder ziehen" sprich einfedern beim Gasgeben zu verhindern. Damit erkauft man sich aber gleichzeitig aber ein Rumpeln oder gar Springen auf schlechtem Untergrund. Dann hat man das Problem ggf. halt schon in der Kurve statt danach. Besser fährt es sich mit einer solchen Einstellung also nur auf sehr glattem Geläuf. Weitere Experimente kann man machen aber für den Alltagsgebrauch ist der Lenkungsdämpfer eine gute Kompromisslösung. Vor allem wenn man größere Ausfahrten unternimmt und nicht weiss auf was für Straßen man gerät.

Ganz nebenbei; wenn der LD serienmäßig verbaut ist, sollte man den nicht einfach so abbauen. Erstens ist er dann ein Fahrwerksteil das zum Fahrzeug gehört und zweitens haben sich die Entwickler sicherlich was dabei gedacht so ein Ding anzubauen. Das die soein "teures" Gimmick nicht nur zu Showzwecken anbauen, dafür werden schon die Kaufleute im Unternehmen sorgen.

Wenn einen der LD stört, kann man sich auch nach einem qualitativ höherwertigen mit feinerer Einstellung und besseren "Losbrech"eigenschaften spricht leichtgängigerem LD umsehen.

Andere Reifen können ein übriges tun. Dann kann man den LD unter unständen weiter aufdrehen.

chapp 24.04.2012, 14:19

Das Lenkerschlagen beim Beschleunigen zu verhindern ist nur ein untergeordneter Nebeneffekt., der hauptsächlich bei leichten, giftigen Zweitaktern wichtig war.

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