Ist ein Reifen für euch auch eine Kopfsache?

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9 Antworten

Ist schon auch ein Bißchen Kopfsache, aber zum überwiegenden Teil Sache des Popometers. Jeder reifen verursacht einengewissen Schlupf, aber jeder anders. Dies fällt besonders bei Mischbereifung auf, oder bei unterschiedlich alten Reifen oder bei unterschiedlichem Abnutzungsgrad. Wenn hier ein großer Unterschied ist zwischen Vorder - und Hinterreifen, verursacht das ein Unsicherheitsgefühl.

Neue Reifen, mit tiefem Profil (besonders bei Enduro Reifen) wirken schwammiger. Wenn du nun vorne einen relativ alten, stabilen Reifen fährst und hinten einen neuen, dann hast du ständig das Gefühl, der Hinterreifen rutscht weg, obwohl er das objektiv nicht tut. Am Vorderreifen bin ich da nicht so empfindlich. Das ist aber individuell und kann bei jedem Fahrer anders sein.

Wenn beide Reifen annähernd gleich früh sliden, merkt das der Fahrer in der Regel nicht und verunsichert auch nicht. Ist der Unterschied aber groß, dann kann das einem Fahrer die Haare zu Berge treiben.

Schon eine unterschiedlich schnelle Erwärmung kann Unsicherheitsgefühle verursachen. Diese Auswirkungen sind von Tag zu Tag, von Maschine zu Maschine und von Fahrer zu Fahrer unterschiedlich. Wenn ich gut drauf bin, dann ist bei mir jeder Reifen klasse, weil es mir egal ist, ob der rutscht oder nicht. An einem anderen Tag höre ich das Gras wachsen und mißtraue selbst dem besten Gummi.

Mankerl 21.01.2014, 08:31

An einem anderen Tag höre ich das Gras wachsen und mißtraue selbst dem besten Gummi.

Stimmt genau.

Danke für deine Antwort, wie immer kompetent und sachlich.

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Hallo Mankerl

Teils teils, in meiner Sturm und Drangzeit vertraute ich dem Metzler Block C5,schon auf der 50er Zündapp, mit der wieselte ich ums Eck, eine Pracht, auf der Honda waren Yokohamas und die schmierten schon bei geringster Feuchtigkeit weg, also wieder die Metzler und die Grenzen setzte die Fußrasten Anlage. Nach 30 Jahren Pause dann die neue XJR mit Dunlop. Damals mit der Honda stand ich voll im Training, 30 Jahre später (bin eine talentfreie Zone) überbremste ich im ersten Januar kurz das Vorderrad, im Regen schmierte mir öfters das Hinterrad weg, oder drehte auf der Geraden einfach durch. Bisher habe ich mich noch nie abgelegt und kam bis auf dem Vorderrad auch ohne fußeln aus. Allerdings war mein Vertrauen zum Dunlop nicht mehr groß. Seit letztem Jahr sind Michelin drauf und nicht nur der geringere Abrieb überzeugt mich, auch im Regen fühlt es sich besser an. Ich werde bewusst nicht an die Haftungsgrenze gehen, dazu bin ich zu alt und ich will genießen und nicht in Rekordgeschwindigkeit über einen Alpenpass brennen. Darum sind für mich „Angststreifen“ ohne Belang, nur im Falle eines Falles, möchte ich keine Seife.

Gruß Nachbrenner

Ganz klar, ist das sowohl eine Kopfsache, als auch eine Frage der Fahrerfahrung.

Ein junger Fahrer wird vermutlich erst mal den Asphalt messen, der erfahrenere Fahrer wird es sehr vorsichtig angehen.

Ich für meinen Teil taste mich immer gerne langsam an den Grenzbereich heran, um das Fahrwerk optimal kennen zu lernen. Einen sehr großen Anteil am Grenzbereich hat allerdings auch die Fahrwerkseinstellung, die von sehr vielen Fahrer lieber zu hart, als zu weich gewählt wird. Stuckert dann die Achse mit einem ungewohnten Reifen, verliert man (Frau) sehr schnell das Vertrauen in den Reifen, auch wenn er vielleicht von einem Markenhersteller ist, und nicht die schlechteste Wahl für das betreffende Motorrad ist.

Leider kommt es immer mal wieder vor, das Reifen zu einem bestimmten Motorrad absolut nicht passen, auch wenn sie eine Freigabe haben. Das Fahrgefühl muß der Fahrer dann für sich aus machen, und ggf das Reifenmodell wechseln, wenn´s´beim Fahren nicht passt.

Ich habe das leider dieses jahr auch schon erlebt, aber auch meine Aufklärungsarbeit, das am Fahrwerk die ein oder andere Komponente ausgeschlagen ist, und sich dadurch das Motorrad mit dem nun neuen Reifen schlechter fahren lässt, als vorher mit dem gewohnten Reifen, der aber abgenutzt war, das will so mancher Fahrer dann nicht hören. Viele Reifen reagieren neuralgisch auf Verschleißspiel in Radlager, Schwinge, oder Lenkkopf.

Also, bevor man einem Reifen die Schuld gibt, lieber mal etwas genauer hin sehen, den auch ein Motorrad hat viele Verschleißteile...... :-)

Mit Sicherheit nein. Vor allen Dingen muss man erst einmal "erfahren", wie ein Reifen seinen Grenzbereich ankündigt und ob er das überhaupt tut. Wenn z.B. jemand mit einem Reifen, der den Grenzbereich nicht ankündigt (aber ansonsten guten Grip bietet) immer nur gemütlich durch die Landschaft fährt wird er auf den Reifen schwören, jemand, der etwas näher an der Haftungsgrenze fährt wird ihn verteufeln.

Es gibt aber auch unterschiedliche Rahmen-Geometrie-Philosophien, wenn ein Motorrad z.B. darauf ausgelegt ist, dem Fahrer vom Vorderrad mehr Feedback zu geben und mehr negativen Lenkimpuls braucht (anstatt leichtfüssig in die Kurve zu kippen) verlangt ein Reifen mit sehr viel Trockengrip über die ganze Lauffläche mehr körperlichen Einsatz als z.B. ein 2 Komponentenreifen, der einem den Lenkimpuls erleichtert und trotzdem aussen weicher ist und Grip bietet.

Ein weiteres Beispiel wäre noch das Verhalten bei Kälte, es gibt Reifen, die sind auf dem ersten Kilometer hart wie Plastik und bauen dann erst mit der Temperatur Grip auf, sie fahren sich z.B. bei < 10 Grad (Celsius) sehr unsicher und das Bike wirkt kippelig. Diese Reifen sind nicht notwendigerweise schlechter, man muss nur höllisch aufpassen, wenn man morgens von einer Grundstücksausfahrt in den fliessenden Verkehr einordnen will.

Das waren nur ein paar Bespiele, die Liste ist sicher endlos.

Nachbrenner 16.01.2014, 12:46

Sicher hast Du mit dem Grenzbereich recht, nur um den zu ermitteln, muss man den auch konsequenter weise überschreiten. Das geht nur auf der Renne und so genau möchte ich den heute nicht mehr zwingend kennen lernen.

In meiner Jugend forscht Phase habe ich mir eine 90° Kurve rausgesucht, mit einer Wiese im Hintergrund und bin mit der 50er mit Vollgas rum. ich habe es geschafft. Allerdings halte ich heute von derartigen Methoden gehörigen Abstand ;-)

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fritzdacat 16.01.2014, 14:04
@Nachbrenner

Es gibt Reifen, die den Grenzbereich ganz deutlich und gut beherrschbar ankündigen. Nur auf der Renne ausprobieren, schön und gut, man kann die Grenze aber auch auf der Strasse erfühlen. Auf der Wiese oder im Gelände rumrutschen ist übrigens garnicht schlecht (zum Üben), kein Grund davon Abstand zu nehmen... ein durchdrehendes HInterrad kann passieren, und wenn man das auf der Wiese ausprobiert hat führt es auf der Strasse nicht mehr zur Schockstarre.

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Ich denke es gibt zum einen Unterschiede bei den Reifen, die man auch wirklich spüren kann, aber genauso glaube ich das auch der Kopf eine gewisse Rolle spielt. Schließlich fühlt man sich mit dem alten Bekannten, was immer war natürlich immer wohler als mit etwas neuem unbekannten.

Ich bin der Meinung definitiv NEIN, vorausgesetzt der Fahrer ist sehr geübt und hat genug Erfahrung mit verschiedenen Reifen.

Ich persönlich fahre alle neuen Reifen mal bis zu meiner Hausstrecke warm und dann mit gemässigtem Tempo einmal hoch und anschliessend volles Rohr auf meiner persönlichen "Teststrecke" zurück, dann habe ich hinten keinerlei Angststreifen mehr und weis genau über den Reifen bescheid, ob er zu mir passt oder nicht, egal welches Modell oder Hersteller.

Allerdings habe ich auch schon mit meinen geliebten Pilot Power 2CT bei einem neuen Satz Reifen ein völlig komisches Grippgefühl gehabt und war sogar etwas verunsichert und bin ziemlich langsam gefahren, nach ca 100 Km war das Gefühl wieder so wie immer und das Vertrauen in die Reifen zurück.

Offensichtlich gab es da ein Problem mit den Trennmitteln von der Herstellung, das ist aber im Normalfall spätestens nach 100 bis 150 Km Fahrt verschwunden und beim Pipo 2CT normalerweise überhaupt nicht vorhanden.

Also im Zweifelsfall würde ich einen Reifen sicherheitshalber mindestens mal so 200 Km fahren bevor ich ihn als echt schlecht bezeichnen würde, ist ein Reifen top merkt man das ziemlich schnell.

Die Auswahl an zur Verfügung stehenden Reifen ist oftmals begrenzt. Daher wird dann das gekauft, was vorgeschrieben wird bzw. ist oder was einen in Foren oder Berichten in der Fachpresse so empfohlen wird.

Je älter die Maschine, desto zahlreicher die Empfehlungen.

Zur Kopfsache: Ich merke, wie das Heck unruhig wird wenn die Fahrbahn nass ist -> also fahre ich entsprechend. War bei meiner 125er ein Gefühl als würde ich auf Schmierseife unterwegs sein. Bei der XJ mit den BT 45 hatte ich das nie. Die aktuellen Reifen auf der GSF sind relativ alt, haben aber noch fast volles Profil. Wenn's warm und trocken ist -> kein Problem. Bei ca. 3°C und leicht feuchter Fahrbahn -> weckte Erinnerungen an die 125er mit den China-Reifen.

Also nicht nur Kopfsache sondern auch »Popometer«. _____

Was ich aber nicht verstanden habe:

Das ich offensichtlich dem neuen Reifen keine Zeit gegeben habe um ihn einzufahren ist mir schon bewusst. Daraufhin hab ich sofort neue Reifen montieren lassen.

Warum?

Mankerl 16.01.2014, 11:07

TROTZDEM sollte da eigentlich stehen. hab mich falsch ausgedrückt.

Ist etwa 25 Jahre her und damals war** natürlich der Reifen schuld** an meinem Ausrutscher. Eh klar oder;-)

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Hallo Romana, schön von dir zu hören ;-D

Well, beim Kauf der Shadow vor 20 J. waren Original-Yokohama drauf, die ich fix runter-radierte. Die Bridgestone erwiesen sich als "Glitschstone", au Mann ;-((( ---> für dieses Bike in Kurvenlage und beim Bremsen höllisch! Seither fahre ich Metzeler, aber auch damit bin ich noch nicht dort, wo die Zufriedenheit zuhause ist....wohlgemerkt, auf diese Maschine bezogen! Gruss Jan ;-)

Hallo Romana,

nein, ne Kopfsache wohl nicht. Der ideale Reifen klebt bei heißem und kaltem Wetter ebenso wie bei Regen auf der Straße und hält natürlich mindestens 50.000 Kilometer. Wenn Du den gefunden hast, sag gleich Bescheid.

Bis dahin werden wir uns mit Kompromissen zufrieden geben müssen. Jeder Hersteller hat seine spezielle Reifenmischung für das jeweilige Wetter. Die sogenannten Alleskönner sind am Ende weder Fisch noch Fleisch. Und ob ein Bridgestone "besser" ist, als ein Pirelli oder Metzler? Ist ne Yamaha besser als ne Honda?

LG

Rudi

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