Frage von Bonny2, 97

Wie empfindet ihr wenn ihr mal längere Zeit mit dem Motorradfahren eine „Zwangspause“ einlegen musstet?

Am Samstag war ich mit meiner „Trude“ das erste Mal nach meinem Unfall ausgefahren. Ich war habe natürlich meine beiden „Biker Treffpunkte“ (Spinnerbrücke-Berlin und Dobbrikow) angefahren. Ein guter alter Freund hatte mich dort schon erwartet (hatten telefoniert). „Rolf“ kam auch nach. War „super“. Da ich nicht mit dem Auto zu „Biker Treffpunkten“ fahre, war ich seit über 8 Wochen nicht mehr dort. Natürlich hatte sich mein „Sturz“ rumgesprochen. Dementsprechend war dann auch die Begrüßung. Es war auch jemand aus meinem näheren Bekanntenkreis dort, der auch einen Motorradunfall hatte. Seine Verletzungen waren viel schlimmer als meine. Ich habe mich riesig gefreut, dass er aus dem Krankenhaus entlassen wurde (ich wollte ihn besuchen, aber man hatte mir abgeraten weil seine Entlassung nicht fest stand). ----

Ich traf viele liebe Bekannte. Es war ein sehr schöner Tag, der bis in den dunklen Abendstunden hinein ging. Fuß ist gut verheilt, Rippen (Bruch) tun nur bei starken Drehbewegungen weh und die Hand, ----- nun ja, die tat abends schon noch weh. Dauert alles seine Zeit. ---- Das sind so die Tage, die einen „aufbauen“. Und das sind auch die Momente, die ich am Hobby „Motorrad“ so schätze. Nicht nur das Fahren, sondern das Treffen von netten Menschen, die Kommunikation und die „lustigen Sprüche“. Da musste ich mir wieder so einige anhören. Genau das mag ich und da muss man eben durch. Wem der „Bikerhumor“ an den Treffpunkten fehlt ist dort verkehrt. Ich bin da jedenfalls „goldrichtig“. ;-)

Ich habe grade mit Rolf darüber gesprochen, dass ich keine „Anlaufzeit“ brauche. Auch früher nicht. Nach längerer Zeit ohne Motorrad fahren brauche ich nur wenige Minuten bzw. unter einem Kilometer und ich bin wieder voll drin als ob ich nie „pausiert“ habe. Ist aber vielleicht in Berlin von Nöten, da ist man entweder sofort wieder „drin“ ist, oder man lässt es. --- So, bin noch am „genießen“. :-) Gruß Bonny

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von chapp, 36

Ich habe in meinem Motorradfahrerleben mehrmals Pausen. Zwangspausen und freiwillige. Aus beruflichen, geschäftlichen, familiären und Unfallgründen. Anlaufschwierigkeiten danach ? Nein. Auch keine Unsicherheit oder gar Angst. Eher war ich beim Neustart etwas zu schnell unterwegs.

Egal, wie lange die Pause gedauert hat, es genügten wenige Minuten und ich war wieder dort wo ich aufgehört hatte, egal mit welchem Motorrad. ich habe meine Motorräder ständig gewechselt und hatte nie Umstellungsschwierigkeiten.

Nach meinem schweren Unfall 2011 war allerdings etwas anders. Ich war natürlich fest entschlossen, wieder zu fahren. Ich bin auch gefahren - null Problemo, allerdings hat mich etwas gestört: der Biss war weg. Ich bin auf die Maschine gestiegen und von ihr wieder runter - ohne Angst aber auch ohne Vergnügen.

Vielleicht kommt es wieder, aber zur Zeit treibt mich nichts aufs Motorrad.

Kommentar von Mankalita2 ,

Ich bin auf die Maschine gestiegen und von ihr wieder runter - ohne Angst aber auch ohne Vergnügen.

Schade :-(

Antwort
von mausekatz, 59

Schwer zu sagen, wie ich mich nach einem Unfall fühlen würde, weil ich noch keinen hatte. Zwangspausen wg. Werkstatt gab es allerdings schon - die Längste ging einen ganzen Sommer lang, weil 2 Murkswerkstätten Mist gebaut hatten, den Klaus, den ich damals gerade kennenlernte, zum Glück schnell beseitigte. Seitdem habe ich einen neuen Freund . :-)

Nun, wie habe ich mich nach der Zwangspause gefühlt? So als sei ich endlich zuhause angekommen! Ich bin da etwas anders gestrickt - sobald ich bei einem Treffpunkt ankomme, juckt es mich recht schnell in der Gashand und ich kuck, dass ich bald weiter fahre. Aus langen Gesprächen mache ich mir nicht so viel, denn übertrieben und geprahlt wird mMn a bissl viel und das muss ich mir nicht unbedingt zu oft antun. 

Bestes Beispiel das Treffen am Glemseck - lauter Poser und Wichtigtuer, Biker die sich so in Schale werfen, dass man sich fremdschämen muss, Frauen, die wie Nutten angezogen rumlaufen... Nicht, dass ich eine schöne Frau nicht gerne "anschauen" würde, aber da verwechseln viele Motorradfahren mit sich-in-Szene-setzen. Ich fahre dann lieber, als mir das Gepose anzurun...

Kommentar von Bonny2 ,

Kann ich verstehen. Da würde es mir sicher genauso gehen. --- Aber an "meinen" Treffpunkten kennt  man sich schon viele Jahre. Da brauch niemand zu versuchen jemand Anderem zu imponieren. Da wird "dämlich gequatscht". Nicht nur über Motorräder. "Benzingespräche" gibt es natürlich auch, aber immer seltener. Gelästern wird sowieso, aber alles ist humorvoll gemeint. Man braucht ja nicht stundenlang am Tisch sitzen. 

Gesprächsstoff gibt es immer. Zur Not zählen wir alten Biker unsere "Kriegsverletzungen" auf und wenn die nicht reichen kommen die Rheuma- Gelenk- Leber- und Nierenschäden hinzu. --- Nur eins ist die "heilige Kuh": Wir "alten Säcke" sind im Alter noch viel potenter geworden und damit wird geprahlt. Ach ja, wir sind auch viel stärker geworden. Alle wollen wir verprügeln wenn wir mal freihändig vor dem Rollator stehen. ;-)))) Gruß Bonny 

Kommentar von mausekatz ,

So siehts aus! :-))

Antwort
von fritzdacat, 41

Nach Pausen (auch durch längere Regen/Schnee/zu-hohe-Temperatur - Phasen) erwische ich mich immer, dass ich viel zu schnell fahre, muss dann wirklich auf den Tacho achten. Einerseits ist das gut, weil ich in diesen Phasen Wochen vorher geübte Sachen tiefer automatisiert habe, andererseits muss man einfach höllisch aufpassen, der Bremsweg wächst ja im Quadrat zur Geschwindigkeit.

Unfälle als Fahrer hatte ich nur 2 (obwohl, ein Highsider auf dem ADAC Übungsplatz zählt ja eigentlich nicht mit ;)  ) , der Rest war als Passagier.... je jünger man ist, um so mehr verinnerlicht man diese Sachen, inzwischen habe ich eigentlich kein Problem mehr damit, wenn halt die Grip-App versagt kann ich ja wohl am wenigsten dafür LOL.  Was man nach einem Sturz/Unfall schnell wieder abschütteln muss ist eine gewisse Apathie, ist jedenfalls bei mir so. Mein Tipp für alle die es mal erwischt: sich ablenken, aktiv bleiben, planen, nicht so viel grübeln... wie heisst es so schön: hell is called "thinking"

Antwort
von geoka, 39

"Auferstandene" Freunde mit Brüchen am Schlüsselbein und/oder Rippen empfängt man immer herzlichst mit einem einem wohlwollenden Knuff in die Seite oder sattem Schulterschlag ;-)

Zwangspausen kenne ich bislang nur wegen Wetter, Urlaub und "keine Zeit". Umsomehr juckt es in den Fingern, wenn alles zusammenpasst.

Wenn dann nach der Anziehprozedur auch noch der Motor willig startet und die Fahrt beginnt, dann ist die vergangene Zeit quasi "vergessen".

Antwort
von Mankalita2, 40

Hallo Detlef,

Wie fühlte ich mich nach meiner Zwangspause... 1 Jahr ist ne lange Zeit, wenn man sie mit Hoffen, Bangen und Unsicherheiten bezüglich eines eigenen Körperteils verbringen muss...

Noch in der gleichen Woche in der ich von den Ärzten, hörte, dass ich wieder alles, außer hüpfen und springen, machen darf, aber nicht Motorradfahren darf.... kaufte ich mir wieder ein Motorrad. Ich fühlte mich auf der einen Seite verdammt glücklich, auf der anderen Seite hatte ich aber auch Angst. Nicht wegen dem Fahren an und für sich, sondern weil ich nicht wusste, in wie weit mein Bein wieder mitmacht, nicht sicher war, wie es mit dem Schalten klappen würde (Trockenübungen waren mehr als unzureichend), nicht einschätzen konnte, wenn, wie lange ich überhaupt fahren werde können, schließlich hatte ich noch große Probleme, wenn das Bein ohne Bewegung nach unten hing... lauter große Fragezeichen... und nicht zuletzt hatte ich noch zwei Platten und 19 Schrauben im Unterschenkel, ein Sturz würde fatal enden.... obendrein hatten mir die Ärzte ausdrücklich das Motorradfahren verboten.

Naja, das Schalten klappte weitestgehend passabel. Nach wenigen Minuten hätte ich mich eigentlich wieder rundum wohl gefühlt und wäre eigentlich mehr als glücklich gewesen..... wenn ich nicht nach wenigen Minuten Schmerzen ich wie Tier bekommen hätte, nicht wegen der erlittenen Verletzungen, nein. Ich hatte durch eine der Metallplatten eine Art "zweiten Knöchel" über dem natürlichen, jeder Stiefel scheuerte dort und es tat einfach nur höllisch weh, war nur bissel Haut über der Metallplatte...

Als ich dann dafür eine Lösung hatte, war meine Welt wieder in Ordung. Ich konnte wieder Motorrad fahren, und zwar ein Motorrad "von der Stange", ohne Handschaltung. Anlaufzeit... ja und nein. Gefühlt nein, aber ich fuhr Anfangs schon etwas bedachter, irgendwie klang da ab und an die Stimme meiner Ärzte in meinem Kopf und mir war auch klar, dass ein Sturz mich den Unterschenkel kosten könnte, so lange die Platten noch drin sind. Aber... das hielt nicht lange an und ich fuhr so wie eh und je.

Seit dem ist viel Zeit vergangen... gut 2 Jahre nun... die Platten sind seit nem Jahr draußen.... aber ich genieße nach wie vor jeden Meter auf dem Motorrad - nichts, gar nichts, ist selbstverständlich.

Gruß - Christine


Kommentar von fritzdacat ,

Respekt

Kommentar von Mankalita2 ,

Danke! :-)

Ich hatte aber keine andere Wahl, das ist Lebensqualität und die, die lasse ich mir nicht so einfach nehmen, dazu bin ich (oder fühle ich mich) eindeutig zu jung. Ich will Motorrad fahren, ich wollte mit meinem Sohn an seinem Abschlussball, knappes Jahr nach dem Unfall, tanzen (ok, das ging noch lange nicht so wie früher, aber mittlerweile klappt auch das wieder gut, also... an den Hochzeiten meiner Söhne bin ich wieder voll dabei ;-) ) und ich will verdammt nochmal mit meinen zukünftigen Enkelkindern auf Bäume klettern, wie ich es noch vor wenigen Jahren mit meinen eigenen Söhnen gemacht habe. Dafür acker ich aber auch 3x die Woche einige Stunden um die vorhandene Bewegungsfähigkeit zu erhalten und vielleicht langsam noch immer ein bisschen zu verbessern. Da muss ich aber ständig am Ball bleiben, schummeln gilt nicht, wird sofort mit weniger Bewegungsfähigkeit "bestraft".... also, Sport - eine Lebensaufgabe. Damit und den verbliebenen Einschränkungen kann ich aber leben, mit "dies" oder "das" nicht mehr können, nur noch in Erinnerungen schwelgen, nein, damit könnte ich nicht leben. Also: keine andere Wahl.

Antwort
von Jayjay12, 19

Fühlt sich ziemlich bescheiden an. Ist noch mild ausgedrückt. Einen Unfall habe ich Gott sei Dank noch nie gehabt. Ein paarmal flog mein Schutzengel ganz eindeutig mit! Solche Situationen kennt bestimmt (fast) jeder von euch?!

Hm, bin noch nie so wenig gefahren wie die letzten Jahre. Das lag nicht an der Zeit oder mangels Gelegenheit. Die Pferdchen gaben Anlass für viele Reparaturen und standen häufig untätig auf der Wiese. Davor und v.a. während meiner Zeit in Hamburg, bin ich fast täglich mit der Maschine unterwegs gewesen, auch auf großen Touren in alle Himmelsrichtungen ;-)

Jetzt ist es wieder soweit, eine Pause zu beenden. Ich liebe es, im Winter herumzukutschieren. Muss mich wieder mal gedulden. Fällt echt schwer, deshalb seht es mir bitte nach, wenn ich euch ab & an mit doofen Fragen nerve. Ihr wisst ja, geteiltes Leid...undsoweiter.. '';-) Gruß Jan

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